03 Juni 2006

Interview mit Bernard Kundig, Soziologe



L’arc Interview mit
Bernard Kundig, Soziologe und Mitglied von B.I.E.N. Schweiz, Genevé

grundeinkommen.tv: Du bist einer der ersten, die in den 70er Jahren auf die Flexibilisierung in der Arbeitswelt durch die Technik hingewiesen haben. Siehst Du da eine Brücke zum Grundeinkommen?
Bernard Kundig: Zurzeit bringt die Flexibilisierung für die arbeitende Bevölkerung Unsicherheit. Grundeinkommen ist eine Alternative zum herkömmlichen Sozialstaat, der an Wachstum und Vollbeschäftigung orientiert ist. Grundeinkommen ermöglicht Flexibilisierung ohne soziale Härte.

g.tv: Könnte man sagen, dass die Menschen, solange sie so stark wie heute an Erwerbsarbeit gebunden sind, festgehalten werden und nicht die Bewegungen machen können, die man aber im eigenen Leben und auch in der Wirtschaft tun muss? Ist das Festhalten an Erwerbsarbeit als einzig anerkannter Arbeit ein Anhalten von Entwicklung?
B. K.: Es ist ein Stress. Die Entwicklung wird schon durchgezogen. Aber mit Verlust. Die Invalidenversicherung ist bei uns völlig überfordert. Die Leute halten diesen Stress nicht aus, weil man etwas von ihnen verlangt, was sie in ihrer Position mit der Notwendigkeit einer gewissen Einkommensstabilität nicht erreichen können.

g.tv: Warum ist ein bedingungsloses Grundeinkommen gerade jetzt in der Diskussion aktuell?
B. K.: Zu einem Neoliberalismus und dazu in Verteidigungsposition gerückten Sozialkonservatismus ist das, was man Freiheit der Arbeit nennt, die entscheidende Alternative. So viel Freiheit wie für das Kapital brauchen wir für die Arbeit. Wenn ich sage: Arbeit, dann meine ich den Bürger.

g.tv: Was hat Dich über die lange Zeit, die Du Dich bereits für ein Grundeinkommen einsetzt, am Meisten an dieser Idee begeistert?
B. K.: Die Chance, die sich dadurch ergibt, in Selbstverantwortung zu gestalten.

g.tv: Das hieße im Umkehrschluss: Ohne das Grundeinkommen kann man das nicht?
B. K.: Das kann man nicht.

g.tv: Hast Du dafür ein Beispiel?
B. K.: Berufswechsel sind zum Beispiel sehr schwierig. Man ist einmal irgendwo eingestiegen, bleibt ein Spezialist in seinem Fach, was auch die Bedingung dafür ist, weiterzukommen. Wenn aber jemand sagt: Ach, nein, ich möchte nun lieber das oder jenes werden, so ist es ihm ohne ein Grundeinkommen fast unmöglich, das Zentrum seiner Tätigkeit zu verändern.

g.tv: Das Grundeinkommen wäre ja im Vergleich zu dem, was die Meisten im Job verdienen, sehr wenig. Wir sprechen von 2000 bis 3000 Franken im Monat. Wie ist Dein Blick auf die Finanzierbarkeit eines Grundeinkommens?
B. K.: Ich glaube nicht, dass die Finanzierbarkeit das Hauptproblem ist. Wenn man an das Geld denkt, das heute an Sozialleistungen aller Art ausgegeben wird, das Sozialbudget, dann ist genügend Geld da. Das Grundeinkommen wird nicht viel mehr kosten. Das selbe Geld wird anders ausgegeben.

Mit Bernard Kundig sprach Enno Schmidt am 14. Mai 2006 in Romainmotier.

02 Juni 2006

Veranstaltungen zum Grundeinkommen

Es gibt zahlreiche Veranstaltungen zum Thema Grundeinkommen im deutschsprachigen Raum - natürlich vorallem im Deutschland. Das Deutschland bezogen auf die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens eine Vorreiterolle spielt, hat unserer Ansicht nach wesentlich mit zwei Hauptfaktoren zu tun. Der erste ist die tatsächliche und breite Not, die durch Harzt IV viel prägnater als etwa in der Schweiz und Österreich zum Vorschein gekommen ist. Der zweite ist, dass in Deutschland die Grundeinkommens-Idee durch starke Persönlichkeiten aufgegriffen und vertreten wird, wie u.a. Götz Werner (als Unternehmer) oder etwa Katja Kipping (als linke Politikerin). Gleichzeitig sind auch in Deutschland die massgebliche Initiativen und Netzwerke beheimatet, wie das "Netzwerk Grundeinkommen" und das "Archiv Grundeinkommen", die Initiative "Freiheit statt Vollbeschaeftigung" oder die Initiative "Unternimm die Zukunft" von Götz Werner. In Deutschland ist im weiteren auch die Frage der Finanzierung eines bedingungslosen Grundeinkommen durch den Vorschlag von Benediktus Hardorp mit der Mehrwersteuer auf eine neue Ebene gehoben worden und am meisten fortgeschritten.

Übersicht über Veranstaltungen bieten folgende Veranstaltungskalender:

Termine beim "Deutschen Netzwerk Grundeinkommen"
Termine bei "Freiheit statt Vollbeschäftigung"
Termine bei "Unternimm die Zukunft"


Ein paar besondere Veranstaltungen haben wir für sie herausgegriffen:

Sa 10. und So 11. Juni in Berlin
Arbeit zwischen Kostenfaktor und Wertschöpfung
Mit Dr. Christopher Houghton Budd
Flyer1.pdf
Flyer2.pdf

Do 22. Juni im cabaret voltaire in Zürich
Grundeinkommen - und die Kunst?
mit u.a. Brita Polzer, Enno Schmidt und Daniel Häni

Fr. 23. und Sa 24. Juni in Tübingen
Im Aufbruch - Soziale Impulse für eine menschliche Zukunft
Mit Gerald Häfner, Götz Werner, Margrit Kennedy, Johannes Stüttgen, Michael Debus

Fr. 30. Juni in Basel im Gundeldingercasino
Das Konzept des bedingungslosen Grundeinkommens
Mit Götz Werner und Paul Mackay

01 Juni 2006

Besucher-Statistik

Monats-Statistik für Mai 2006

Summe Anfragen 319560
Summe Besuche 6644
Summe unterschiedlicher Rechner (IP-Adressen) 3509

Schnitt/Maximum
Anfragen pro Tag 10308/16627
Dateien pro Tag 5768/9324
Seiten pro Tag 795/1595
Besuche pro Tag 214/453

Unten sehen Sie in grafischer Darstellung die Besucher-Entwicklung der letzten 3 Monate. Die meistaussagende Zahl ist die der Anzahl verschiedener Rechner (orange): diese beträgt für Mai 3509

Blick nach Österreich

Diese Woche ist das Netzwerk Grundeinkommen in Österreich mit einem Positionspaier an die Öffentlichkeit getreten: Grundeinkommen als Richtungsforderung - Die Ersten Schritte zur Realisierung

Die Sprecherin des Netzwerks, Margit Appel (siehe Bild) von der Katholischen Sozialakademie Österreich, betonte, dass das Grundeinkommen eine bedingungslose, finanzielle Zuwendung sei, die jedem Mitglied der Gesellschaft in existenzsichernder Höhe, ohne Rücksicht auf sonstige Einkommen als Rechtsanspruch zustehen müsse. Die Kriterien "bedingungslos", "universell", "personenbezogen" und "existenzsichernd" stellten eine deutliche Unterscheidung zu Modellen der "bedarfsorientierten Grundsicherung" dar. Arbeitszwang oder die Verpflichtung zu gemeinnützigen Tätigkeiten lehnen die Befürworter ab. Wie der Sozialwissenschaftler Manfred Füllsack von der Universität Wien sagte, sollte dieses Grundeinkommen bei rund 900 Euro pro Monat und Person liegen.

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Podium in Dortmund



u.a. mit Götz Werner und Sascha Liebermann, aufgenommen von szenario-berlin

31 Mai 2006

Interview mit Brita Polzer, Autorin



L'arc-Interview mit Brita Polzer, Autorin zu Kunstprojekten, Künstlern und Gesellschaft, Zürich

grundeinkommen.tv: Du sprachst von der Objektorientierung in der Kunst, die damit zusammenhängt, dass man ein Produkt herstellen will. Mit dem Grundeinkommen könnte sich daran etwas ändern.
Brita Polzer: Mit dem Grundeinkommen wäre die Chance auf eine Erweiterung des Kunstbegriffs gegeben. Bisher sind Künstler und Künstlerinnen, wenn sie überleben wollen, mehr oder weniger gezwungen, sich auf die Vorgaben von Markt und Museen einzulassen. Der Markt verlangt materielle Produkte, die verkauft werden können. Museen wollen im Grunde nicht viel anderes. Sie wollen Werke, die sie sammeln, ausstellen und vermitteln können. Durch das Grundeinkommen würden Künstlerinnen und Künstler in die Lage versetzt, sich freier von diesen Vorgaben zu machen. Sie könnten ihren Blick vom Objekt auf das Subjekt lenken, von der Herstellung von Gegenständen auf Interaktionen, Kommunikationen, Handlungen von Menschen.

g.tv: Du sagtest, Du fändest am Grundeinkommen bemerkenswert, dass Menschen aus allen Breichen zusammenkommen. Grundeinkommen als das, wo die Menschen sich treffen. Was für eine Idee steht für Dich dahinter?
B. P.: Generell denke ich, dass die Idee des Grundeinkommens grenzüberschreitende Sprengkraft hat, ein ideelles Potential darstellt, auf das man sich von ganz verschiedenen Perspektiven aus einlassen kann. Schon die Idee verbindet, löst Diskurse aus mit Leuten, die man sonst nie kennen gelernt hätte.
Auch ein veränderter Kunstbegriff – der ja im übrigen keineswegs neu ist - würde mehr Teilhabe und Austausch mit sich bringen. Das Verhältnis von Produzent und Rezipient würde ein anderes. Die Autorschaft könnte zum großen Teil an ein Publikum, an Partizipierende, an Mitmachende übergeben werden. Wobei ich allerdings das Feld der Kunst als einen speziellen Raum mit spezieller Aura nicht würde aufgeben wollen.


g.tv: Du siehst mit dem Grundeinkommen eine Möglichkeit, die einen Raum schafft, in dem das, was mit 'Erweiterter Kunst' gemeint ist, stattfinden kann?
B. P.: Ja, genau.

g.tv: Was würde ein Grundeinkommen für Dich und Deine eigene Arbeit bedeuten?
B. P.: Was sich mit dem Workshop hier herausgestellt hat ist, dass es die Möglichkeit gibt, über ganz breite Lebensbereiche völlig neu nachzudenken. Insofern hat das Grundeinkommen für mich ein Potential, neu zu denken, und zwar alle Lebensbereiche betreffend. Es hat das Potential, alle Bevölkerungsschichten, Altersschichten, Geschlechter mit einzubeziehen im Nachdenken über das Grundeinkommen. Dieses Partizipative ist für mich wohltuend.

g.tv: Was für einen Wert siehst Du darin?
B. P.: Ich würde hoffen, dass es zu mehr Verantwortlichkeit führt, zu mehr Selbstbestimmung, zu mehr Eigenverantwortlichkeit.

g.tv: Was sind für Dich Gefahren beim Grundeinkommen?
B. P.: Das, was Du vorhin, bezogen auf mittelalterliche Malerei, mit dem verloren gegangenen Goldgrund beschrieben hast. Da das Grundeinkommen bedingungslos wäre, fielen viele bisherige Glaubenssätze und Lebensregeln weg, die bisher durch die Koppelung von Arbeit und Einkommen vorhanden sind. Regeln und Grenzen sind ja keineswegs nur schlecht. Ich lebe mit meinen Kindern zusammen und ich gebe Regeln und Gesetze vor. Diese bilden einen Rahmen, den man aber vielleicht auch als Umarmung sehen kann. Regeln werden über den Haufen geworfen, man lehnt sich dagegen auf, aber sie stecken ein Feld ab, innerhalb dessen man sich geborgen fühlt. Die Frage beim bedingungslosen Grundeinkommen wäre, wie man neue Umarmungen schafft. Im negativen Fall wären das schlechte Gesetze, im positiven so etwas wie neue, produktive Grenzen. Das wäre für mich die Herausforderung.

Mit Brita Polzer sprach Enno Schmidt am 14. Mai 2006 in Romainmotier

30 Mai 2006

Wie Grundeinkommen wirkt - IV - Sascha Liebermann



Sascha Liebermann bei der Auftaktveranstaltung der Initiative Grundeinkommen im L'arc über Pflege und Grundeinkommen.

"...werden die Löhne steigen oder sinken?"

29 Mai 2006

Daniel Häni im Sonntagsblickmagazin SIE & ER

Aus dem Artikel der gestern in einer Auflage von über 300'000 Exemplaren in die Schweizer Haushalte einzog:

"2000 Franken im Monat für alle Erwachsenen, auch Kinder hätten ihrem Alter entsprechend ein Einkommen. Ausbezahlt als Mehrwertvergütung an alle. Die Finanzierung? Für die 7 Mio Menschen in der Schweiz bräuchte es 7000 "Ospel"*. Die Sozialämter könnten geschlossen werden, es bräuchte auch keine Sozial-Detektive mehr."

*1 "Ospel" entspricht 24 Mio Franken. (Das offiziele Jahressalär des CEO der UBS)


Artikel lesen: Klick aufs Bild
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27 Mai 2006

Initiative Grundeinkommen im Cabaret Voltaire



Am Donerstag 22. Juni um 20 Uhr sind Enno Schmidt und Daniel Häni eingeladen zu einem öffentlichen Gespräch im Cabaret Voltaire in Zürich.

Die Veranstaltung wird organisiert und kuratiert von Brita Polzer und steht unter dem Titel "Grundeinenkommen - und die Kunst?"

Weiter GesprächsteilnehmerInnen sind: Tim Zulauf (freier Autor, Theaterprojekte, Kunstkritiker), Gabriela Christen (Kunstredaktorin bei SR DRS 2, Dozentin HGKZ), Claudia Jolles (Chefredaktorin Kunst-Bulletin) und Dorothea Strauss (Künstlerische Direktorin Haus Konstruktiv) denken mit.

Interview mit Christof Dietler, Agronom



L'arc-Interview mit Christof Dietler, "neues unternehmen", Entwickler und Berater für Unternehmen, langjähriger Geschäftsführer der BIO SUISSE, Chur.

grundeinkommen.tv: Die Definitionshoheit über den eigenen Beruf war bei den Landwirten ein Problem. Der Beruf wurde definiert durch Funktionäre, Lobbys, Politiker, und damit alt gehalten, nicht zeitnah gehalten. Du hast Dich dafür eingesetzt, dass die Definitionsmacht des eigenen Berufs wieder in die Hand der Landwirte kommt. Es funktionierte aber erst, als andere, die Gesellschaft sich zuwendete. Unter anderem waren vier erfolgreiche Volksabstimmungen für die Gesetzesänderungen nötig. Was für eine Landwirtschaft wollen wir, brauchen wir? Das hat auch mit dem zu tun, was dann für die Landwirte gut ist, weil es einer Realität entspricht. Du sagtest: Aber bitte nicht warten auf staatliche Fürsorge; auch im Bezug auf das Grundeinkommen. Sondern schauen, dass Sachen verkauft werden, dass Transparenz herrscht und Bewusstsein entsteht bei den Kunden. Woher kommt das Produkt, wie wurde es hergestellt? Menschen wollen etwas machen und dafür anerkannt werden, nicht alimentiert sein vom Staat. Gibt es für Dich auf diesem Boden doch einen Faden zum Grundeinkommen?
Christof Dietler: Zunächst mal: die Definitionskraft bei sich selber zu haben, was man für Eigenbilder, Fremdbilder hat. Bei den Bauern, wo man sehr nah bei Mythen ist, muss man sich dessen bewusst sein, damit man nicht missbraucht wird von anderen. Dass man das auch reflektiert mit Leuten, die sich für einen interessieren. Das ist eine Chance für die eigene Weiterentwicklung. Das Grundeinkommen setzt Freiheit frei. Man muss nicht einen Mythos verkaufen, um sich zu legitimieren, dass die Gesellschaft einen braucht. Sondern es ist selbstverständlich. Diese Freiheit, die man mit dem Grundeinkommen gewinnt, hat mich jetzt an diesem Wochenende überzeugt. Darin sehe ich eine Spiegelung zu meinen Themen. Wenn die Energie des Grundeinkommens genutzt wird, um sich davon zu befreien, irgendjemandes Bild genügen zu müssen, dann ist das etwas Wunderschönes. Das ist in der Landwirtschaft immer noch sehr notwendig.

g.tv: Um eine Arbeitsstelle zu bekommen muss man sich heute oft wie ein Mythos präsentieren. Man muss dem entsprechen, was Arbeitsbilder sind, die aber wiederum der Realität oft gar nicht entsprechen. Sind Volksinitiativen, Volksabstimmungen, eine Entmythologisierung? Auch das Grundeinkommen ist bei vielen verbunden mit Mythen wie Faulheit, Hängematte, Armut, der politischen Linken oder den Neoliberalen. Was würde passieren, wenn eine öffentliche Debatte über das Grundeinkommen käme im Bezug auf die Mythenbilder?
Ch. D.: Ich glaube nicht, dass das Thema Grundeinkommen schon mythenhaft besetzt ist. Man steht noch in der Entwicklung der Idee, sie ist noch nicht fertig. Man muss sich bewusst sein, dass einem der Begriff weggenommen werden kann, in eine eher kritische Entwicklung in der breiten Öffentlichkeit kommen kann. Um das zu vermeiden, finde ich am Anfang gerade die fragende Form gut. 'Was würdest Du arbeiten, wenn für Dein Einkommen gesorgt wäre?' Dass jeder für sich dem einen Inhalt geben kann, dass die Absender sich immer wieder überlegen: Was heißt das für mich selber?

g.tv: Die Landwirte erhalten jetzt eine Zahlung vom Staat. Die Landwirtschaft ist in gewisser Weise die Urwirtschaft, die wirklich erzeugt, während die übrige Wirtschaft nur transformiert, und die Landwirtschaft hat die industrielle Entwicklung eigentlich bezahlt. Die Landwirtschaft hat mit ihrer Rationalisierung die Menschen freigestellt für die Fabriken. Die Landwirtschaft hat die gesamte Entwicklung der Wirtschaft durchgemacht, erlitten, ermöglicht, ist dabei aber immer weiter aus dem Bewusstsein und aus der Wertschätzung heraus gerutscht. Für Lebensmittel möchte man am liebsten gar nichts mehr bezahlen. Was für eine Zahlungsform gibt es heute für die Landwirte?
Ch. D.: Es ist ein Transfer der Gesellschaft zu einer bestimmten Form von Wirtschaft. Das hat sich herausgebildet in einem Gesellschaftsvertrag. Wir, das demokratische Gebilde im Raum Schweiz, wollen produzierende Landwirtschaft, die Nahrungsmittel herstellt und die Landschaft pflegt. Es gibt eine Leistung und eine Gegenleitung. Die ist nicht mehr direkt ans Produkt gebunden, an den Preis von Milch, Käse, Getreide, Fleisch, sondern an eine Tätigkeit, die sich Bauer nennt. Es soll im engen Bezug bleiben zur Produktion von Lebensmitteln, zur Arbeit mit der Natur, weil das das Kernbusiness der Bauern ist. Sie wollen Lebensmittel produzieren, nicht Landschaft kreieren. Darüber hat man sich geeinigt in einem demokratischen Prozess, dass der Bauer direkt etwas bekommt und nicht nur über den Weg des Preises des Produktes.

g.tv: Der gemeinnützige Anteil der Arbeit der Bauern wird aus der öffentlichen Kasse bezahlt?
Ch. D.: Ja, der auch im demokratischen Einverständnis als gemeinnützig definiert ist.

g.tv: Die Landwirte aber als erste zu sehen, denen etwas wie ein Grundeinkommen gezahlt wird, ist falsch?
Ch. D.: Ja, insbesondere wenn man das Grundeinkommen als bedingungslos sieht. Die Bauern wollten gerade nicht etwas bedingungslos bekommen, sondern klare Leistung und Gegenleistung. Man hat den Marktbegriff ausgedehnt vom Verkauf der Waren auf öffentliche Güter, die der Landwirt frei zur Verfügung stellt, wo der einzelne nicht einen Preis bezahlen muss. Also Landschaft, Versorgungssicherheit, eine gewisse Gewährleistung der Kultur, wo der Landschaftsbegriff weiter geht. Man hat den Marktbegriff von Leistung und Gegenleistung auf die Gesellschaft übertragen. Es ist eine Fortschreibung der Marktkriterien mit schönen Rahmenreglungen. Die Idee des Grundeinkommens ist darin nur marginal enthalten. Die Befreiung des Grundeinkommens ist größer. Sie besteht darin, sich von den Zwängen zu befreien, etwas leisten zu müssen und klare Bedingungen zu erfüllen.

g.tv: Du selbst vertrittst sehr klar das Prinzip Leistung. Leistung bringen und dafür Geld bekommen. Du erlebst gerade das als befreiend?
Ch. D.: Das haben auch die Bauern als Befreiung erlebt, dass sie ihre Produkte wieder besser auf den Markt bringen. Mehr Verantwortung, Möglichkeiten, Freiheit und Ideen auf dem Produktmarkt, aber mit einer gewissen Absicherung für die anderen Leistungen, die ein Bauer erbringt. Dass die Bauern leistungsorientiert sind – auch Kinder in der Schule, sie wollen etwas lernen – das ist für mich klar. Und die Leute zu befähigen, eine Leistung zu erbringen, das ist das Spannende. Der ganze Berufsstand hatte das vermisst.

g.tv: Das Grundeinkommen befähigt dazu, die eigene Leistung zu bringen?
Ch. D.: Aber das ist vielleicht nicht selbstverständlich. Darüber muss man nachdenken. Wo liegt das Befreiende, wo das Leistungsorientierte?

g.tv: Wo Leistung auf ein Echo stößt, ist das Gefühl von Freiheit da. Andererseits kann das Grundeinkommen eine solche Leistung ermöglichen, gerade weil es nicht von vorne herein Leistung definiert.
Ch. D.: Das ist die Hürde. Sehen das die Leute auch so, die dann von diesem Grundeinkommen profitieren?

g.tv: Siehst Du das auch so? Wo ist der kritische Punkt?
Ch. D.: Der ist die Prägung. Ich bin geprägt worden von der politischen Diskussion, sich von den Fesseln des Staates zu befreien und über ökologisch orientierte, nachhaltige Leistungen den Berufsstand attraktiver zu machen, phantasievoll, innovativ. Das hat der Staat für mich mit seiner Fürsorge reduziert. Es war schön, als der Staat sich zurückgezogen hat.

g.tv: Unter welchem Gesichtspunkt wäre ein bedingungsloses Grundeinkommen in lebenstauglicher Höhe für Dich doch bedenkenswert?
Ch. D.: Das Bedenkenswerte steckt im Wort bedingungslos. Es steckt im Menschenbild. Dass die Leute ihren Fähigkeiten entsprechend das Beste daraus machen, das ist ein wunderbar positives Menschenbild. In der Diskussion über die Bedingungslosigkeit liegt für mich die Kraft. Wie viele dann die Rolle des Faulenzers übernehmen – keine Ahnung. Aber die Vorbereitung auf diese Art von Wirtschaft und dass man darüber spricht: es ist bedingungslos; das finde ich super. Sozialinspektoren, die ermitteln, wer zuviel Sozialleistungen kassiert, das ist ein anderes Menschenbild. Die Vorbereitung auf dieses bedingungslose Einkommen, auf die freue ich mich. Den Endzustand kann ich noch nicht so recht greifen.

Das Gespräch mit Christof Dietler führte Enno Schmidt am 14. Mai 2006 in Romainmotier.

Wie Grundeinkommen wirkt - III - Brita Polzer



Brita Polzer, Autorin zur Kunst und Kuratorin einer Veranstaltungsreihe im Cabaret Voltaire in Zürich

Sie sehen einen Ausschnitt aus der Eröffnungsrunde an der Kick-off Veranstaltung der Initiative Grundeinkommen in Romainmotier am 12. Mai 2006.
Brita Polzer betont in Bezug auf die Idee des Grundeinkommens, die Möglichkeit zu mehr Partizipation aller an der Kunst und einer Aufhebung des Zwangs zur materiellen, verkaufbaren Produktion der Künstler und mehr Hinwendung zum Subjekt, nicht nur zum Objekt. Ein erweiterter, sich verändernder Kunstbegriff in Hinblick auch auf einen veränderten Zeitbegriff.

26 Mai 2006

Interview mit Adi Blum, Künstler



L'Arc-Interview mit Adi Blum, Theaterproduzent, Veranstalter, Künstler, Luzern


Adi Blum: Grundeinkommen, das habe ich schon in den 90er Jahren mit mir getragen als eine Möglichkeit, wie die Welt sich verändern könnte und hatte es wie vergessen. In diesen drei Tagen im L’arc ist mir wieder bewusst geworden, wie real eine solche Idee und wie möglich ihre Umsetzung sein kann.

grundeinkommen.tv: Was bedeutet für Dich Umsetzung?
A. B.: Umsetzung bedeutet, es real zu machen.

g.tv: Was sind für Dich Realitäten beim bedingungslosen Grundeinkommen?
A. B.: Grundsätzlich geht es um des Glück des Menschen und dass er überhaupt das Glück hat, auf die Welt zu kommen. Damit sind bestimmte Rechte verbunden. Zum Beispiel das Recht, atmen zu dürfen und das Recht, ein würdevolles Leben leben zu dürfen. Natürlich auch mit der zur Verfügungstellung der Grundlebensmittel.

g.tv: Würdest Du denn nicht sagen, dass man heute in der Schweiz auch so schon ein würdevolles Leben leben kann? Würdest Du sagen: Da fehlt etwas?
A. B.: Ja, es hat etwas mit dieser Arbeit zu tun. Du kommst auf die Welt und es heißt, Du musst arbeiten. Aber was diese Arbeit ist, das wird einem erst mit der Zeit klar, dass man damit Erwerbsarbeit meint, und dass das nicht die Arbeit ist, zu der man sich hingezogen fühlt.

g.tv: Wann ist Dir klar geworden, dass Arbeit Erwerbsarbeit meint, und was ist Dir da klar geworden?
A. B.: Ich hatte immer zu wenig Zeit das zu tun, was ich tun wollte. Und dann kam jemand, der sagte: Du verdienst ja gar kein Geld damit, Du bist ja arbeitslos. Da kam für mich eine innere Wut dazu und ich sagte: Das stimmt einfach nicht. Ich mache so viel. Und ich arbeite nicht nur für meine Befriedigung, sondern es ist auch gute gesellschaftliche Arbeit, die ich leiste. Ob ich jetzt da Geld dafür bekomme oder nicht, das ist egal. Diese Wut brachte mich schnell darauf: Da muss etwas falsch sein.

g.tv: Es ist ein Urerlebnis, dass man gar keine Zeit zum Arbeiten hat, wenn alles Erwerbsarbeit sein muss?
A. B.: Genau. Ich habe dann zwar immer irgendwelche Jobs gemacht, aber ich war unkonzentriert, weil mir durch den Kopf ging, ich müsste doch noch das machen, dies machen und das machen. Darum hat mir Erwerbsarbeit immer sehr wenig Spaß gemacht.

g.tv: Deine Position würden vor allem Menschen vertreten, die eine sehr eigenständige Arbeit machen. Zum Beispiel Künstler, Menschen, die sich im sozialen Bereich engagieren, in der Forschung, in einem Bereich, wo Arbeit aus ihrem Charakter heraus frei sein muss. Man kann sagen, gerade dadurch, dass sie als eine individuelle, von einem selber als sinnvoll gefundene und auch in dem Sinne bedarfsorientierte Arbeit geleistet wird, hat sie einen großen Wert für die Allgemeinheit. Die meisten Menschen sind aber in abhängiger Arbeit. Wie würde ein Grundeinkommen auf diese Menschen wirken?
A. B.: Ich glaube, dass diese Bereiche abhängiger Arbeit ein Überbleibsel sind von dem, was einmal normal war. Die unselbständige Arbeit, Erwerbsarbeit, erleben wir ja nicht seit jeher. Das sind die letzten zwei-dreihundert Jahre.

g.tv: Bist Du der Ansicht, dass auch in den abhängigen Erwerbsarbeiten das Grundeinkommen mehr Möglichkeit gäbe für das eigene Gespür für Sinn und das, was anderen tatsächlich nützt oder was Gesellschaft insgesamt voranbringt?
A. B.: Zuerst führt das in eine kreative Krise. Grundsätzlich geht es darum, dass der Prozess der Flexibilisierung, der ja bereits stattfindet, dazu führt, dass jeder seine Selbständigkeit wiedererlangt. Dafür kommt der Gesellschaftsvertrag eines Grundeinkommens gerade rechtzeitig, der sagt, jeder ist selbständig, soll aber Essen können, Geld bekommen dafür, dass er Teil der Gesellschaft ist.

g.tv: Was meinst Du, sind die vernünftigen Gründe, warum es ein bedingungsloses Grundeinkommen noch nicht gibt?
A. B.: Das hat mit der Sozialisation zu tun. Wenn man über Generationen hin gewohnt ist, in militärischen, hierarchischen Systemen zu funktionieren, kommt dann erst mal das ganz große Loch: Was soll ich jetzt, was ist der Sinn des Lebens? Und gleichzeitig ist da die Angst vor zu großem Vergnügen. Der Gedanke: Wenn man Menschen zu sehr genießen lässt, dann ist das nicht gut. Aber es ist schlussendlich der Genuss, der zu sinnvoller Arbeit führt, und den man nicht zu fürchten hat.

g.tv: Es sind jetzt nur noch zwei Fragen offen: Grundeinkommen und Kriminalität und Grundeinkommen und Sexualität.
A. B.: In wie weit ist die Wirtschaft heute eine Schattenwelt, eine Welt der Kriminalität und des Verbrechens? Und das Zweite ist Genussfreudigkeit. Inwiefern können wir mit Genussfreiheit und Sexualität umgehen lernen? Das wird jahrhunderte alte Tabus brechen.

Mit Adi Blum sprach Enno Schmidt am 14. Mai 2006 in Romainmotier.

25 Mai 2006

24 Mai 2006

Interview mit Alfred Meister, Unternehmer



L’arc Interview mit
Alfred Meister, Berater für Innovations-Organisation, Schaffhausen

grundeinkommen.tv: Was würdest Du sagen, was kommt einem im Grundeinkommen an Geistigkeit entgegen?
Alfred Meister: Die Liebe zur Arbeit. Die Befreiung vom Zwang zum Erwerb in einer ungeliebten Umgebung und ungeliebten Tätigkeit. Aber auch Freiheit als Verantwortung. Da sehe ich die Möglichkeit, Eigenverantwortung zu übernehmen durch diese Befreiung.

g.tv: Du warst lange in Firmen leitend, die global tätig sind. Wie siehst Du die Verbindung von Grundeinkommen und globaler Wirtschaft, globalem Geschehen?
A. M.: Wir klagen heute oft über die Verlagerung von Arbeitsplätzen in der Globalisierung. Diese Klage greift für mich viel zu kurz. Ich sehe ungeheure Chancen in unserem schweizerischen Rahmen, das kleine Unternehmen ihre Spezialitäten dahin liefern, wo Leute sich eher auf Massenproduktion konzentrieren, die auch nicht die Forschungsaufwendungen für kleine Spezialitäten machen können und wollen. Da gibt mir ein Grundeinkommen eine gewisse Sicherheit, dass die Flexibilisierung, die Verlagerung von Arbeitsplätzen, nicht einfach die schweizerische Wirtschaft unterpflügt, sondern hier ein Denkplatz ist, wo solche Spezialitäten entwickelt werden können, wo Ideen generiert werden können, die dazu führen, dass wir ein Angebot haben auch in einem chinesischen Markt, einem indischen Markt. Ich erachte unsere Chancen durchaus als lebensfähig. Ich teile die Ängste mittel- und langfristig nicht. Dass wir eine Umstrukturierung haben in der Schweiz ist unbestritten, dass dies so genannte Arbeitsplätze kostet ist unbestritten. Da wird ein Grundeinkommen Überbrückungsmöglichkeiten bieten für Umstrukturierungen, die sich in Jahren und Jahrzehnten abspielen werden.

g.tv: Du warst auch tätig in einem Gremium, das die Selbstversorgung der Schweiz zum Thema hatte. Der Gedanke war: Wir müssen in jedem Fall für uns selbst stabil sein können. Da hat ein Mentalitätswechsel stattgefunden. Selbstversorgung – Fremdversorgung, Trennung von Arbeit und Einkommen, Grundeinkommen. Kannst Du da eine Verbindung herstellen?
A. M.: Der Gedanke der Selbstversorgung hat sich total verändert mit unseren bilateralen Verträgen mit der EU. Ich selber bin ein Vertreter bilateraler Beziehungen zu der EU in der heutigen Zeit. Ich schließe nicht aus, dass sich unser Verhältnis mit der EU auch immer wieder wandeln wird. Ich finde das heutige Verhältnis nicht schlecht, dass es in der Mitte der EU eine Plattform gibt, wo vielleicht auch andere Blickwinkel möglich sind. Die Schweiz auch als Denkplatz, als Dienstleistungsplatz, das wird ganz stark von einem Grundeinkommen revolutioniert. Es gibt viele junge Leute mit Ideen, die sie verwirklichen wollen, und die dann untergehen mangels Finanzierungsmöglichkeiten, weil die Lebensbedürfnisse des Tages andere Erfordernisse stellen. Da sehe ich im Grundeinkommen eine Chance, dass solche Ideen weiter verfolgt werden können, dass Jungunternehmer einen Versuch wagen können. Wie er ausgeht, ist eine andere Sache. Das Risiko wird dadurch kleiner. Das Scheitern wird nicht gleich zu einem totalen Desaster. Dass eine Idee auch mal scheitert ist durchaus einzukalkulieren. Ich habe eingangs von der Liebe zur Arbeit gesprochen. Es könnte eine neue Arbeitsstimmung überhaupt entstehen dadurch, dass ich freier werde vom reinen Erwerbsgedanken.

g.tv: Was ist für Dich persönlich der Punkt, den Du an der Idee des Grundeinkommens am wichtigsten findest?
A. M.: Das hat sich bei mir gewandelt. Mir war immer ein Dorn im Auge die Polarisierung in Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Mein ganzes Berufsleben habe ich unter dem Schirm der Zusammenarbeit verstanden, Zusammenarbeit nach Fähigkeiten. Der eine hat die Führungsfähigkeit, der andre hat die manuelle Fähigkeit in der Ausführung, der dritte hat die geistigen Fähigkeiten für die Innovation oder im Technischen, was mich betrifft, der vierte ist mehr der Controller, der Buchhalter, der seine seriöse Arbeit machen kann. Und das sehe ich je länger je mehr gar nicht als hierarchisch sondern als Zusammenarbeit, auch assoziative Zusammenarbeit. Da ist eine große Chance für die Zukunft.

Mit Alfred Meister sprach Enno Schmidt am 14. Mai. 2006 in Romainmotier.

22 Mai 2006

Wie Grundeinkommen wirkt - I - Veronika Sellier



Statetement der Gastgeberin Veronika Sellier.

Am Wochenende vom 12. bis 14. Mai trafen wir uns auf Einladung von Mirgos-Kulturprozent (Abteilung Soziales) in Romainmotier im L'arc mit 10 unterschiedlichen Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Kultur zum Thema: "Wie Grundeinkommen wirkt".
Das 48-stündige Treffen erlebten wir als sehr intensiv und fruchtbar. In den nächsten Tagen und Wochen werden wir auschnittsweise Interviews und Video-Statements hier auf dem News-Blog veröffentlichen.

Wir freuen uns auch über Ihren Kommentar dazu.

21 Mai 2006

Interview mit Milton Friedman in der Weltwoche

Der mittlerweile 93-jährige Ökonom und "Erfinder" der negativen Einkommensteuer wird in der aktuellen Ausgabe der Weltwoche (20/06) von Alain Zucker interviewt. Es ist durchaus beeindruckend, diesem so oft im Kontext des Grundeinkommens zitierten Herren im O-Ton zuzuhören und sich in seine Gedankenhaltung einzufühlen. Milton Friedman vertritt seit den 70er Jahren die Sicht, dass der Markt alle sozialen und wirtschaftlichen Probleme besser löse als der Staat. 1976 erhielt er den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften.
Er vertritt zum Teil extreme Position, wie die völlige Freigabe des Drogenkonsums oder das zurückstutzen des Staats auf eine Quote von 15% gegenüber der heutigen Quote von 40% (USA) 38% (CH).

Hier ein paar prägnante Stellen aus dem Interview:
"Kollege Carls Murray hat ein Buch geschrieben, in dem er vorschlägt, jedem Erwachsenen 10'000 Dollar im Jahr zu geben. Wenn sich einer mit dem Geld betrinken will, wäre das dann sein Problem. Ich gehe einig mit John Staurt Mill: Der Staat ist dazu da, den Bürger vor anderen Bürgern zu schützen. Er ist nicht dazu da, die Leute vor sich selber zu beschützen."

Friedman zeigt sich auch besorgt:
"Die Einkommensunterschiede sind grösser geworden zwischen den Leuten an der Spitze und jenen am unteren Ende der Gesellschaft. Die wichtigste Ursache dafür ist unser untaugliches Schulsystem." Und er schlägt vor: "Bildungsgutscheine sind die einzig sinnvolle Lösung für das Qualitätsproblem der Schulen. Da der Staat die Bildungsproduzenten, also die öffentlichen Schulen, subventioniert, fehlen die Anreize für ein gutes Ausbildungsangebot. Wir sollten das gleiche Geld in Form von Bildungsgutscheinen den Konsumenten, also den Schülern, in die Hand drücken. Egal aus welcher Schicht sie sind und welche Hautfarbe sie haben. Die Eltern könnten dann zwischen den Schulen auswählen. Das würde zu einem gesunden Wettbewerb führen und deren Qualität verbessern."

Zum Schluss fragt Alain Zucker: "Wann gehen sie in den Ruhestand?" Friedman antwortet: "Wenn ich sterbe. Aber ich arbeite heute ja nur noch wenig. Ich verschwende meine Zeit, um mit Leuten wie Ihnen zu reden."

Kommentieren Sie Ihrer Sicht zu Milton Friedman.

16 Mai 2006

Perspektiven für Jugendliche

Am 16. Mai berichteten alle grossen Tageszeitungen über den aktuellen Bericht des Bundesamtes für Statistik über die "ersten gesamtschweizerischen Ergebnisse der Sozialhilfestatistik".

Da war z.B. zu lesen: "Die kantonalen Sozialdirektoren und -direktorinnen sind alarmiert über die hohe Zahl der jungen Erwachsenen in der Sozialhilfe. Nötig seien jetzt früh einsetzende Integrationsmassnahmen oder arbeitsmarktgerechte Bildungsangebote."

Aber wäre nicht gerade das Gegenteil richtig?
In was sollen die Jugendlichen integriert werden? In unsere museumsreifen Vorstellungen einer Arbeitsgesellschaft? Viele werden dort nicht mehr gebraucht. Sollen sie zwangshaft in ein sinnlos gewordenes Arbeitsethos gepresst werden, damit das träge Gewissen weiterschlafen kann? Damit das sture: "werdet wie ich" der Älteren keine Störung erfährt? Hat das etwas mit Liebe zur Jugend zu tun? An den Jugendlichen könnte die Gesellschaft aufwachen für die von ihr selbst geschaffenen Verhältnisse. Leistung ist nicht gleich Erwerbsarbeit. Endlich sind Lebensentwürfe auch jenseits der vorgegebenen Arbeit möglich. Und sie sind gefragt. Das soll verhindert werden? Das heißt Integration? Das Bestehende sollte sich öffnen für das, was Jugendliche mitbringen in die heutige Gesellschaft. Junge Menschen sehen keine Perspektive aufgrund der einsichtsloser Dummheiten, die an ihnen begangen werden, aufgrund der fahlen caritativen Integrationsbemühungen in einem objektiv abnehmenden Erwerbsarbeitsmarkt. Als junger Mensch spürt man doch, dass daran etwas faul ist und einem etwas vorgemacht wird.
Jugendliche brauchen Anerkennung und echtes Interesse, nicht Bevormundung! Nur durch ihre ganz individuellen Lebensimpulse entstehen echte und nachhaltige Motivation und Selbstverantwortung. Die staatlichen Integrationsprogramme gleichen einem Strafverfahren für etwas, wofür die Jugendlichen doch gar keine Schuld tragen. Das wirkt demotivierend, macht krank, depressiv und führt zu asozialem Verhalten. Dieses wiederum wird dann als Argument genommen für noch schärfere Maßnahmen (Integrationsprogrammen) und Kontrollen (Sozialdedektive). Für Kinder und Jugendliche wäre ein bedingungsloses Grundeinkommen ein Segen und Ansporn zur Selbstverantwortung. Ganz neue Berufsbilder und Biografien könnten dadurch entstehen und die gesamte Gesellschaft bereichern.

15 Mai 2006

Grundeinkommen als soziales Menschenrecht

Auszug aus dem Positionspapier: "Ein anderes Europa ist möglich! Essentielle zivilgesellschaftliche Forderungen an die Verfasstheit Europas" von Dr. Christoph Strawe vom Institut für soziale Gegenwartsfragen.

"Das Recht jedes Menschen auf Leben, körperliche Unversehrtheit und Hilfe bei Krankheit, Invalidität und im Alter muss gewährleistet werden. Sie bzw. er muss das Recht haben, an der gesellschaftlichen Tätigkeit und am gesellschaftlichen Reichtum teilzuhaben. Die Früchte der ständig wachsende Produktivität können und müssen so verteilt werden, dass kein einziger Mensch unter menschenunwürdigen Bedingungen leben muss. Ein Grundeinkommen ist soziales Menschenrecht, das an keine andere Bedingung geknüpft sein kann als daran, dass der Mensch ein Mensch ist. In diesem Sinne ist das Grundeinkommen bedingungslos.
Durch ein solches Recht auf Grundeinkommen wird auch das Recht auf Arbeit neu gefasst: Statt das unter den Bedingungen des Produktivitätsfortschritts illusorische Recht auf einen klassischen Erwerbsarbeitsplatz zu postulieren, führt das bedingungslose Grundeinkommen zum faktischen Recht, einer selbstbestimmten Arbeit nachzugehen - dies würde auch nicht mehr zu Abzügen führen wie bei den gegenwärtigen Sozialeinkommensmodellen.
Die Festlegung der Höhe des Grundeinkommens ist eine Frage des jeweiligen demokratischen Konsensus in den einzelnen europäischen Ländern. Seine Höhe muss jedoch so bemessen sein, dass ein menschenwürdiges Leben möglich ist und kein verdeckter Arbeitszwang entsteht.
Es darf nicht die bestehende Wirtschaftsordnung in den Verfassungsrang erhoben werden, der Weg zu einem sozialeren Boden, Eigentums- und Geldrecht darf nicht versperrt, sondern soll vielmehr erleichtert werden. Die Menschen müssen die Möglichkeit haben, neue kooperative Formen der Ökonomie zu erproben und zu praktizieren."

09 Mai 2006

Initiative Grundeinkommen auf Bildschirm im unternehmen mitte



Seit dem 1. Mai ist die Initiative Grundeinkommen auf dem grossen Infobildschirm im Haupteingang des unternehmen mitte vertreten.



Drückt man auf den goldigen Knopf erscheint die Startseite mit einer kurzen Einleitung. Drückt man weiter erhält man Zugang zum einem Pool von über 50 spannenden Statements zur Idee und Wirkung des Grundeinkommens.

Die weiteren Knöpfe zeigen das aktuelle Basler Kino-Programm mit Trailern des Kult-Kino, die tägliche Kultur-Agenda der Programmzeitung, Hinweise für die Veranstaltungen im unternehmen mitte, sowie eine Übersicht auf die aktuelle Veranstaltungsrheihe von pink-flamingo.

07 Mai 2006

Radio Beitrag zum 2. Basler Armutstribunal

3000 Grundeinkommen anstelle komplizierter Sozialhilfe: eine alte Vision neu diskutiert

Was würde passieren, wenn Sozialhilfebezüger und -bezügerinnen einfach 3000 Franken erhalten würden - ohne dafür irgend etwas tun zu müssen? Diese Frage wurde am Donnerstag 4. Mai Abend auf einem Podium in der Kaserne Basel diskutiert.

Ein Beitrag auf DRS1 von Maya Brändli

Beitrag hören

Zum Film-Beitrag von grundeinkommen.tv

06 Mai 2006

Neue Website von B.I.E.N. Schweiz

B.I.E.N.-Schweiz, das schweizerische Netzwerk des Basic Income Earth Network, hat eine neue Homepage aufgeschaltet.
Der schweizweite Verein zielt darauf ab, die Idee eines garantierten Grundeinkommens zu studieren, zu diskutieren, zu verbreiten und auf eine Realisierung in der Schweiz hin zu arbeiten.

www.bien-ch.ch

05 Mai 2006

Kurzer Film-Bericht vom 2. Basler Armutstribunal





Sie sehen und hören in diesem kurzen Film-Clip (6min) drei kurze Auschnitte mit Carlo Knöpfel, Urs Müller-Walz und Bernhard Kündig aus der Diskussion am 2. Basler Armutstribunal.

Das diesjährige Tribunal stellte ein konkretes Modell einer einheitlichen Grundsicherung für Armutsbetroffene in Basel zur Diskussion. Das Modell soll rasch umsetzbar sein und soll für die Schweiz wegweisend sein. Eine schlanke Verwaltung sichert die Grundexistenz und verrechnet backstage alle weiteren Leistungen mit den vorhandenen Sozialversicherungssystemen ab.

Es Diskutierten:
- Barbara Gutzwiler-Holliger, Direktorin Volkswirtschaftsbund
- Rolf Maegli, Vorsteher Sozialhilfe Basel
- Urs Müller-Walz, Präsident VPOD
- Bernard Kündig, Soziologe,Genf,BIEN (Basic Income Earth Network)
Kronzeuge war:
- Carlo Knöpfel, Caritas Schweiz
Moderation:
- Marcel Jegge, Radio DRS

Organisisert wurde der Abend von der Gewerkschaft IGA (Interprofessionelle Gewerkschaft der ArbeiterInnen), der Armutskonferenz von unten und der Schweizerischen Sektion BIEN (Basic Income Earth Network)."

04 Mai 2006

Die Sendung mit Götz Werner bei Maischberger

Wie angekündigt diskutierte letzten Dienstag Götz Werner mit Oskar Lafontaine und Lothar Späth u.a. in der Sendung "Menschen bei Maischberger" auf ARD die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens.


Sendung als Video (Realplayer) schauen


Wie berrührt Sie diese Sendung?
Schreiben Sie uns Ihren Kommentar...

03 Mai 2006

DRS2aktuell zur Initiative Grundeinkommen

Erster Radiobeitrag zur Initiative Grundeinkommen auf DRS2aktuell moderiert von Patrick Tschudin.




Ein Grundeinkommen für alle
"Stellen Sie sich vor: Sie bekommen jeden Monat 2'500 Franken auf ihr Konto. Stellen Sie sich vor, alle bekommen dieses Geld, ohne Ansehen von Alter, Reichtum, Zivilstand etc.
Dies ist das Kernanliegen der so genannten "Initative Grundeinkommen". Ein provokantes Anliegen im besten Sinne."
Patrik Tschudin

Beitrag hören (ca. 5min)

(Link zu Prof. Reiner Eichenberger)

Was würde das bewirken? Gesellschaftlich, aber auch ganz persönlich bei Ihnen? Gerne lesen wir Ihren Kommentar!

01 Mai 2006

Das Wort zum 1. Mai

Das Wort zum Tag der Arbeit von Katja Kipping:

"Wir wollen die Verfügungsgewalt über das eigene Leben - und nicht nur über die Produktionsmittel, wie die alte Linke es forderte."

Bitte kommentieren!

Wir können uns den 1. Mai in Zukunft auch als Tag des bedingungslosen Grundeinkommens vorstellen...

27 April 2006

Neues Buch von Georg Vobruba

Georg Vobruba, "Entkoppelung von Arbeit und Einkommen. Das Grundeinkommen in der Arbeitsgesellschaft"
Wiesbaden 2006: VS Verlag, 211 S.

Aus dem Inhalt:
Vollbeschäftigung: Das falsche Problem - Recht auf Arbeit? - Die Entkoppelung von Arbeit und Einkommen - Arbeiten und Essen - Wege aus der Flexibilisierungsfalle - Der Arbeitsmarkt: Ein Markt? - Ende der Vollbeschäftigungsgesellschaft - Income Mixes: Die neue Normalität nach der Vollbeschäftigung - Die flexible Arbeitsgesellschaft.
Für die Entkoppelung von Arbeit und Einkommen zu argumentieren, erübrigt sich. Dieser Prozess findet ohnehin statt, er wird aber kaum verstanden und keineswegs angemessen politisch reguliert.

Über den Autor:
Professor Dr. Georg Vobruba ist am Institut für Soziologie an der Universität Leipzig tätig.

25 April 2006

Geld sei Eigentum der Gemeinschaft

"Bereits im späten 14. Jahrhunderts wird der Charakter des Geldes im Sinne von "Geld kennt keinen Herrn" erkannt. James Buchan berichtet von Bischof Oresme, der, obwohl als Bischof und Grundherr der alten Nomenklatura verpflichtet, sich entschieden auf die Seite des harten Geldes stellt. Geld sei nicht Eigentum des Fürsten, sagt er, sondern der Gemeinschaft, die es verwendet; und drohend erklärt er, Fürsten, die ihr Geld missbrauchten, würden ihre Reiche einbüßen."

(Aus: "Verschwendung", Wolf Lotter, Hanser Verlag, 2006)

Lob des Müßiggangs

Bertrand Russel, britischer Philosoph, schreibt in "Lob des Müßiggangs":

"Guten Mutes zu sein, ist die sittliche Eigenschaft, derer die Welt vor allem und am meisten bedarf [...] Mit den modernen Produktionsmethoden ist die Möglichkeit gegeben, dass alle Menschen behaglich und sicher leben können; wir haben es statt dessen vorgezogen, dass sich manche überanstrengen und die anderen verhungern. Bisher sind wir noch immer so energiegeladen arbeitsam, wie zur Zeit, als es noch keine Maschinen gab. Das war sehr töricht von uns, aber sollten wir nicht auch irgendwann einmal gescheit werden?"

(Aus: "Verschwendung", Wolf Lotter, Hanser Verlag, 2006)

24 April 2006

Das kollektive "Sollen sie doch Kuchen essen"

Wolf Lotter schreibt Leitartikel in brand eins und in seinem neu erschienenen Buch "Verschwendung":

"Buchhalter waren immer ganz besondere Untertanen, privilegierte Beamte des Staates, deren große Stunde aber erst mit der industriellen Revolution schlug. Sie wurden die Herren über Zahlen und Zeit. Bis heute hüten Buchhalter und ihre Verwandten, die Controller und Finanzvorstände, die damals eingeleitete Trennung von Sinn und Form eines Unternehmens, [...]

Mit der Zeit wurde diese bürokratische Komponente so dominant, dass es scheint, als wäre jegliche Innovation nichts anderes als ein gezielter planerischer Akt. Diese Vorstellung bestimmt seit langem unser Denken über Innovation, und sie ist im neuen Zeitalter der Vielfalt äußerst hinderlich. [...]

Der Beamte sieht die Welt aus seinem statischen Gebilde heraus – zumindest kann er sich das erlauben. Die nicht unkündbaren, nicht "total gesicherten" Existenzen hingegen müssen sich einer Vielzahl an Veränderungen stellen. Wirklich problematisch aber ist daran, dass die, die in statischen, sicheren Lebensbehältern existieren – Beamte oder Machthaber –, denjenigen, die weitaus mehr Lebensrisiken ausgesetzt sind, denen, die der Vielfalt begegnen, ständig die Regeln diktieren. Dies ist ein Widerspruch, der letztlich in einen neuen Kulturkampf bisher ungeahnter Dimensionen münden muss. Es ist das kollektive "Sollen sie doch Kuchen essen" [1] der Bürokratie und ihrer Institutionen, das den Menschen, die sich heute dem Vielfaltsprozess stellen müssen, entgegenschallt."

[1] [Als die hungernde Masse revoltierend vor Versaille aufzog, fragte Marie Antoinette, Königin von Frankreich, einen bei ihr stehenden Offizier, was die Leute denn wollten, was sie denn da schrien?
"Majestät," erklärte der, "die Leute hungern, sie haben kein Brot."
"Wenn sie kein Brot haben, sollen sie doch Kuchen essen."
S'ils n'ont pas de pain, qu'ils mangent de la brioche.

Dieser Satz wird Marie Antoniette zugeschrieben - die Legende will es so, Inbegriff fatalster Ignoranz der Herrschenden - stammt aber aus Jean-Jacques Rousseaus "Confessions", verfasst 1765-70, als Marie Antoinette noch ein Kind war, und ist dort zugewiesen einer 'großen Fürstin'.]

23 April 2006

"Wenn Geld still steht, ist es kein Geld mehr." Georg Simmel

"An den Fortschritt zu glauben bedeutet, an das Neue zu glauben." Wolf Lotter

u.a. bezogen auf das Grundeinkommen.

Wirtschaft braucht Überfluss

Wolf Lotter, Wirtschaftsjournalist, schreibt in seinem neuen Buch "Verschwendung":
"Mit einem Grundeinkommen würden sich die Arbeitsanbieter endlich in Waffengleichheit mit den Arbeitgebern befinden. Das würde zunächst die Arbeitgeber dazu bewegen, der Verknappung durch eine Verbesserung ihrer Leistung entgegenzuwirken.[...]
Nicht Erwerbsarbeit, organisierte Zwangsarbeit also, sondern freie Tätigkeit hilft, die Konkurrenz zu beleben. Früher hieß es: Niemand tut, was er nicht muss. Heute gilt: Jeder tut, was er für richtig hält. Die Menschen werden nicht aufhören, tätig zu sein, wenn sie der elementarsten Zwangslage entwachsen sind. [...]

Arbeit [...] macht, wo man an der Einheitsarbeit festhält, auch arm, weil sie Automation und Fortschritt hemmt. Wo krampfhaft – und natürlich staatlich gefördert – nach Produktionsstandorten gesucht wird, entsteht nichts weiter als das Museumsdorf einer abgelaufenen Epoche."

'working poor' und Armutsrisiko

Carlo Knöpfel, Caritas Schweiz, schreibt in "Wohlstand durch Gerechtigkeit":
"Der Wandel der Arbeitsverhältnisse im Sog der Globalisierung der Wirtschaft und des technologischen Fortschritts führt immer mehr Erwerbstätige in prekäre Beschäftigungsverhältnisse und lässt die Zahl der working poor anwachsen.
Denjenigen, die den Anforderungen des flexibilisierten Arbeitsmarktes nicht genügen, droht Langzeitarbeitslosigkeit und damit nicht nur der Ausschluss vom Arbeitsmarkt, sondern auch von den sozialen Sicherungssystemen, die auf der Erwerbsarbeit gründen.
Gleichzeitig wandeln sich die sozialen Lebensformen. Die Netze der familiären Solidiarität werden brüchiger. Die Zahl der Alleinlebenden und Alleinerziehenden ist stark angestiegen. Zusammen mit kinderreichen Familien sind sie einem besonders hohen Armustsrisiko ausgesetzt."

21 April 2006

Stern: Das Interview mit Götz Werner zum Grundeinkommen.

"Das manische Schauen auf Arbeit macht uns alle krank" - Götz Werner, Chef der Drogeriekette dm, fordert im stern-Gespräch Revolutionäres: ein Grundeinkommen für alle - und das lebenslang.

Im Vorfeld des Interviwes gab es bereits Vorabmeldungen vom Stern und dem Nachrichtenmagazin 'Der Spiegel'.

"Hartz IV ist offener Strafvollzug. Es ist die Beraubung von Freiheitsrechten. Hartz IV quält die Menschen, zerstört ihre Kreativität."

Werner erneuerte seine Forderung nach einem Grundeinkommen von bis zu 1500 Euro für alle und lebenslang: "Ein bedingungsloses Grundeinkommen ohne Auflagen, ohne Formulare", das es den Menschen ermöglichen solle, "ein Leben in Würde und frei von Existenzängsten" zu führen.

Link:
Zum Interview auf stern.de.

16 April 2006

Arbeitslosenzahlen in der Schweiz höher als vermutet

Hans Schäppi, Gewerkschaft UNIA, schreibt im neu erschienen Buch Wohlstand durch Gerechtigkeit:

Etwa 60.000 Personen arbeiten in Beschäftigungsprogrammen oder mit Zwischenverdienst, was die Zahl der Stellensuchenden laut Seco [Staatssekretariat für Wirtschaft, Sommer 2005: 150.000 Personen arbeitssuchend, Arbeitslosenquote 3,8 Prozent] auf 210.000 Personen oder auf eine Quote von 5,2 Prozent erhöht. [...] Nicht eingerechnet in die Erwerbslosigkeit sind Personen, die wegen des Wegfalls des Arbeitsplatzes vorzeitig pensioniert oder über die Invalidenversicherung aus dem Arbeitsprozess ausgesteuert sind. Während in den 1980er Jahren noch viele handicapierte Personen in den Arbeitsprozess integriert werden konnten, sind sie in den 1990er Jahren verstärkt aus dem Arbeitsprozess ausgeschieden, wodurch die Invalidisierungsquote rasch angestiegen ist. [...] Dies hat dazu geführt, dass heute die Versicherungsfälle strenger gehandhabt werden und die dadurch eingesparten Kosten bei der Sozialhilfe der Kantone anfallen.
[Wo dann wiederum die Sozialhilfe reduziert wird um Kosten zu sparen – den letzten beißen die Hunde.]

Über die rund 5 Prozent Erwerbslosen hinaus gibt es in der Schweiz eine große Zahl von unterbeschäftigten Personen. Die SAKE-Umfrage [schweizerische Arbeitskräfteerhebung des Bundesamtes für Statistik] zählt für das Jahr 2005 388.000 unterbeschäftigte Personen und damit ein Volumen von 113.000 fehlenden Vollzeitstellen. So müssen wir davon ausgehen, dass im Herbst 2005 in der Schweiz etwa 325.000 Stellen fehlen, was einer Erwerbslosenquote von über 7 Prozent entsprechen würde."

Arbeitskraft = Ware = Diskriminierung und Entsolidarisierung der Beschäftigten – und nicht Beschäftigten

Hans Schäppi, Gewerkschaft UNIA, schreibt im neu erschienen Buch Wohlstand durch Gerechtigkeit:
" ... Nach neoliberalen Vorstellungen ist die Arbeitskraft eine Ware wie jede andere Ware auch: Wenn der Preis sinkt, wird mehr nachgefragt, das heißt, wenn die Löhne oder Lohnnebenkosten sinken, werden mehr Leute beschäftigt. Wenn jemals gezeigt worden ist, dass diese Theorie falsch ist und ideologischen Charakter hat, so sind dies die 1990er Jahre in der Schweiz, welche geprägt waren von einer gegenüber den 1980er Jahren noch verstärkten Lohnrestriktion und einer Abkoppelung der Reallöhne von der Produktivitätsentwicklung, begleitet von einer massiv ansteigenden Arbeitslosigkeit. Mit neoliberalen "Reformen" am Arbeitsmarkt, wie Lohnzurückhaltung, Senkung der Lohnnebenkosten, Lockerung des Kündigungsschutzes und anderen angebotsorientierten Maßnahmen wird die Zahl der Arbeitsplätze nicht erhöht. Hingegen wird die Lohnarbeit umstrukturiert im Sinne einer verstärkten Segmentierung, Diskriminierung und Entsolidarisierung der Beschäftigten. ..."

Zu Ostern: Apostel Paulus jetzt auch für ein Grundeinkommen

"Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen", soll er gesagt haben, der Apostel Paulus, erbitterter Christenjäger und bei Damaskus dann erster, dem der Aufgefahrene in geistiger Realität auf Erden begegnete. Das bekehrt.

In der Debatte um ein Grundeinkommen wird Paulus' Satz vom Arbeiten und Essen oft zitiert. Er steht dann zum Abschuss freigegeben als Moral mit der Knute, Menschenverachtend.
Tief sitzt der Satz im kollektiven Bewusstsein.
Es gab eine Zeit, in der jede Hand gebraucht wurde für die Herstellung des Lebensnotwendigen. Wer da seinen hungrigen Mund auftat ohne mitgeschafft zu haben, nahm den Anderen den Speck vom Teller. Oder die Petersilie. Mangel herrschte bei den Massen. Die Tafel bog sich nur beim Grundbesitzer. So ist der Satz in der jüngeren Geschichte denn auch lauthals gegen die gerichtet worden, die als reiche Säcke und Rentiers sich von anderen versorgen ließen ohne selbst etwas zu tun.

Doch wie hat Paulus sein Statement gemeint?
In den frühen Christengemeinden, die Paulus betreute, war die Erwartung des Himmelreiches nah. So nahe, dass manche meinten, zu arbeiten lohne sich nicht mehr. Logisch, oder? Das allerdings war schlecht für die Gemeinden. Denn die konnten nur bestehen, wenn alle etwas einbrachten. Paulus, der Apostel, wird sich geärgert haben vor allem über die Unehrlichkeit derer gegenüber sich selbst, denen die fromme Erwartung die Arbeit abnahm. Von den Leistungen der Anderen profitierten sie um so mehr. Wenn sie schon so dem Glauben hingegeben – eigentlich aber in einer Hybris der Heilsberauschung – auf die Arbeit verzichteten, weil ja Morgen alles Irdische ohnehin in den Zustand der Glückseligkeit übergeht, dann sollten sie, so Paulus, konsequenter Weise auch vom Essen Abstand nehmen. Logisch. Denn das ist dann ja auch überflüssig. Oder? Ein Anstoß zur Selbsterkenntnis war das, ein Wink mit dem Zaunpfahl und ein Satz mit Humor: "Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen." Wie ernst ist es euch denn mit der schon in Besitz genommenen Himmelserwartung? Bleibt mal auf dem Teppich! Wir haben noch kein Grundeinkommen! Es wird auch nicht deshalb kommen, weil einige es für sich wollen und sich um den Rest nicht scheren. Wenn ihr die Angenehmlichkeiten für euch vorwegnehmen wollt, dann nehmt bitte auch die persönliche Identitätsfrage schon mal vor. Das Grundeinkommen macht niemanden arbeitslos. Ganz im Gegenteil. Es nimmt euch kein Arbeitgeber mehr die Verantwortung für euer Tun ab. Ihr selbst könnt sie nicht mehr über den Zwang des Verdienstes abgeben.

So haltlos, wie der Satz "Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen" heute gebraucht wird, war er nicht. So zum Kuschen verdammend und eine Daumenschraubengerechtigkeit beschwörend ist er nur in unseren eigenen Hinterköpfen geworden. Die Blödheit des Satzes ist unsere Leistung! Doch die Bekehrung naht.
Es revanchiert sich der Apostel, indem gerade dieser Satz, "Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen ", zum Spieß gegen die Spießer wird, zu einem maroden, leicht zu schleifenden Inbegriff einer Haltung, die jetzt vorgeführt wird, um ihre Absurdität zu belegen - und das Grundeinkommen zu fordern. Der Satz ist in seiner geschichtlich gewordenen Dekadenz ein Einfallstor für die überfällige Einsicht in ein bedingungsloses Grundeinkommen. Paulus sei Dank!
Der Apostel Paulus: für das bedingungslose Grundeinkommen.

15 April 2006

Brauchen wir staatliche Arbeitslager?

In einem kurzen Artikel im Blick-online vom 18.3. 2006 bringt der engagierte Journalist Werner Vontobel etwas grundsätzliches auf den Punkt:

"Dass die Arbeit in einem Billiglohnjob nicht zur sozialen Integration führt, zeigt auch die Tatsache, dass immer mehr Arbeitskräfte im Billiglohnsektor stecken bleiben. Von den gut 45 Millionen Deutschen im arbeitsfähigen Alter haben inzwischen noch 26,6 Millionen einen sozialversicherungspflichtigen Job. Für die Jungen sieht die Lage noch schlechter aus. In Frankreich etwa arbeiten 40 Prozent der unter 29-Jährigen im geschützten, staatlich subventionieren Arbeitsmarkt, 33 Prozent haben einen Temporärvertrag, etwa 20 Prozent sind arbeitslos und nur eine schwindend kleine Minderheit hat eine Vollzeitstelle mit Kündigungsschutz und Sozialversicherung.

Offensichtlich führen die Globalisierung und der technische Fortschritt dazu, dass die westlichen Industrieländer ihren Lebensstandard mit immer weniger Arbeit sichern können. Seit 1991 hat die Bevölkerung in der Schweiz zwar um gut 8 Prozent zugenommen, das gesamte Arbeitsvolumen ist aber um gut 6 Prozent gesunken. Dennoch ist das Bruttosozialprodukt heute 16 Prozent höher als damals. Das ist doch erfreulich. Brauchen wir wirklich staatliche Arbeitslager, um die Leute am dem Müssiggang zu hindern, den wir uns dank dem technischen Fortschritt eigentlich leisten sollten?"

14 April 2006

Trennung von Arbeitsmarkt und Sozialpolitik

In der Verlags-Zeitschrift "a tempo" erscheinen seit Januar bemerkenswerte Interviews unter dem Titel "Zukunft der Arbeit".

In der Ausgabe 03/2006 wurde der Schweizer Volkswirtschaftler Professor Dr. Thomas Straubhaar, Leiter des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts interviewt.

Einen grundsätzlichen Gedanken von Ihm möchten wir besonders hervorheben:

"Für mich ist es entscheidend, zu trennen zwischen dem Arbeitsmarkt, auf dem sich der Lohn entsprechend dem Spiel von Angebot und Nachfrage bildet, und der Sozialpolitik, die sich dazu bekennt, dass alle in die Lage versetzt sein sollen, ein Leben in Würde zu führen."

Auf diesem Grundgedanken u.a. baut die "Initiative Grundeinkommen" auf.

13 April 2006

Aus Solidarität für ein Grundeinkommen einsetzen


Michael Nollert, Universität Freiburg i. Ue., in "Wohlstand durch Gerechtigkeit":
"... Arbeitnehmersolidarität, die sich nicht in der finanziellen Unterstützung von Arbeitslosen erschöpft, müsste auf einen Abbau neufeudaler, durch Professionalisierung und Zertifizierung zementierte Exklusionsmechanismen abzielen. Das heißt, dass die Interessenvertreter der arbeits- und sozialrechtlich besser geschützten (Normal-) Beschäftigten Solidarität üben, in dem sie sich für eine Schrumpfung des Pufferarbeitsmarktes und für die Absicherung ihrer unqualifizierten Kolleginnen und Kollegen in atypischen Arbeitsverhältnissen oder - noch besser - für ein von der Lohnarbeit entkoppeltes Grundeinkommen einsetzen."

Schillernd, Birkenmeier Vogt Birkenmeier



"...um ein grosses Gutsein zu haben, braucht es kein grosses Guthaben zu sein..."

Ein kurzer Ausschnit aus dem aktuellen musikalischen Theaterkabarett "schillernd, oder wie das leben so spielt" von sybille birkenmeier, felicitas vogt und michael birkenmeier.

Die nächste Aufführung findet am 20. Mai im Theaterstudio in Olten statt.

12 April 2006

Sparübung auf Kosten der Betroffenen

Carlo Knöpfel, Caritas Schweiz, schreibt in dem neu erschienen Buch: "Wohlstand durch Gerechtigkeit" zur diffusen Politik der Armutsverminderung, der Bildungs-, Berufs- und Gesundheitspolitik:

"Die Komplexität der Problematik kontrastiert recht stark mit Vorstellungen einer allgemeinen, allen uneingeschränkt zustehenden Grundsicherung. [...] Zu sehr dominiert noch immer das Selbstbild einer Arbeitsgesellschaft, in der primär die Bürgerinnen und Bürger [...] sich ihre Existenz über die Erwerbsarbeit zu sichern haben. [...] Der Sozialstaat wird immer subsidiär zu dieser Prämisse gedacht. [...] Die Sozialhilfe selber aber mutiert in der Praxis entgegen allen Reformbemühungen und politischen Absichtserklärungen angesichts der steigenden Fallzahlen und der knappen personellen und finanziellen Ressourcen zu einer Art unbedingtem Grundeinkommen, nicht für alle, aber doch für alle Armen in der Schweiz."

Aus allen sonstigen Sozialsicherungen, wie Arbeitslosen-, Invalidenversicherung, werden Betroffene zunehmend in die Sozialhilfe abgeschoben, die ihrerseits gekürzt wird. "Das Ganze droht zu einer reinen Sparübung für die Sozialhilfe auf Kosten der Betroffenen zu verkommen [...]"

Christoph Langscheid zur Idee und Wirkung eines Grundeinkommens




"...die Chance ist, dass diese riesige Bürokratie die heute besteht für die ganzen Sozialleistungen extrem reduziert werden könnte, weil das Verfahren mit dem Grundeinkommen viel einfacher zu handhaben wäre..."


Christoph Langscheid, Stiftung Edith Maryon

Dankbarkeit und Wertschätzung gegenüber den Maschinen

Barbara Lampe aus Frücht in Deutschland schrieb uns einen interessanten Gedanken zum Grundeinkommen:

"Ein wichtiger Gedanke zum Grundeinkommen ist für mich, dass eine Dankbarkeit und Wertschätzung gegenüber den Maschinen entstehen kann. Denn sie sind es, die uns diese Freiheit geben können. Gleichzeitig sind sie es auch, die unser Denken auf eine so harte Probe stellen. Unsere Einstellung gegenüber der Technik ist ausschlaggebend für die Entwicklung dieser Elementarwelt zum Guten oder zum Zerstörerischen. Diese ganze Grundeinkommenssache finde ich total wichtig und hochinteressant. Ich bin dankbar, dass immer mehr Menschen die schlüssigen Begriffe dafür finden. Mit dem Grundeinkommen wird dann auch jeder Mensch in seiner Gemeinnützigkeit unterstützt."

11 April 2006

Baschi Dürr (FDP) zum Vorschlag des bedingungslosen Grundeinkommens



"... es ist auf jeden Fall eine vertiefte Auseinandersetzung mit dieser Idee angezeigt."

Baschi Dürr, Grossrat (FDP) und Präsident der Finanzkommission im Kanton Basel-Stadt.

08 April 2006

Claire Niggli zur Idee des Grundeinkommnes



"Zum Leben gehört Druck, aber es gibt konstruktiven Druck, und es gibt destruktiven Druck ... "

Claire Niggli, Basel Paris

07 April 2006

"Langfristig wird die Arbeit verschwinden"


Die Initiatve Grundeinkommen wurde hingewiesen auf eine sehr prägnates Interview des US-Okonome Jeremy Rifkin in der Stuttgarter Zeitung im April 2005:

Hier ein kurzer Auschnitt aus dem Interview:

"Herr Rifkin, eines Ihrer Bücher heißt: „Das Ende der Arbeit“. Das meinen Sie doch nicht wörtlich, oder?

Allerdings meinte ich das wörtlich. Als ich dieses Buch 1995 schrieb, waren weltweit 800 Millionen Menschen arbeitslos oder unterbeschäftigt. 2001 waren es schon mehr als eine Milliarde. Die Entwicklung ist eindeutig.
...
Wir sind mitten in einer Umwälzung, die die industrielle Revolution noch übertrifft. Durch die ersten Mechanisierungsschübe verloren Millionen von Menschen ihre Jobs und wanderten vom Land in die Städte, um dort mit den Maschinen zusammen zu arbeiten. Aber die Computer und Informationstechnik von heute machen immer mehr Menschen ganz überflüssig. Selbst die billigste menschliche Arbeitskraft ist teurer als die Maschine.

Aber entstehen durch die neue Technik nicht auch neue Arbeitsplätze?

Das ist die Hoffnung, an die wir uns seit Jahrzehnten geklammert haben. Die kapitalistische Logik sagt, dass technologischer Fortschritt und gesteigerte Produktivität alte Jobs vernichtet, dafür aber mindestens genauso viele schaffen. Aber die Zeiten sind vorbei. Sind Sie da sicher? Ganz sicher. Sehen Sie, ich verdiene einen Teil meines Einkommens damit, die Chefs großer Konzerne zu beraten. Wenn ich die frage, ob sie in Zukunft noch Zehntausende von Mitarbeiter haben werden, dann lachen die laut los. Die Wirtschaftsführer wissen längst, wo die Reise hingeht.

Wohin geht sie denn?

Wir vollziehen gerade einen Wandel hin zu einem Markt, der zum allergrößten Teil ohne menschliche Arbeitskraft funktioniert. Bis 2010 werden nur noch zwölf Prozent der arbeitenden Bevölkerung in Fabriken gebraucht. Bis 2020 werden es weltweit nur noch zwei Prozent sein."

Hier der Link zum ganzen Interview
Vielen Dank an Thomas Mayer für den Hinweis.

04 April 2006

Statement zum Grundeinkommen von Beat Jans, Grossrat im Kanton Basel-Stadt




"... Ich bin überzeugt, wenn die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt so weiter geht und immer weniger daran teilhaben können, dass die Diskussion um das Grundeinkommen eine ganz wichtige und spannende wird für die Gesellschaft, weil sich dann die Werte verschieben werden. ..."

Beat Jans, Grossrat Kanton Basel-Stadt (SP)

03 April 2006

Dr. Benetiktus Hardorp über Selbsterkenntnis und Grundeinkommen




Ein kurzer Auschnitt aus dem Vortrag von Dr. Benediktus Hardorp am 1. April 2006.

Und hier in Abschrift das von ihm vorgetragene Gedicht
von Conrad Ferdinand Meyer, 1825–1898, Schweizer Erzähler und Lyriker.

Das Fundament

Sei wahr und wirf ihn weit zurück
den Schleier über deinem Blick
und sieh dich als einen andern an
und benenn es alles, was du getan

Die Wahrheit ist ein scharfes Schwert
das mitten in die Seele fährt
der Zauber weicht, es flieht der Schein
die Luftgebäude stürzen ein

Und wenn der Staub zerronnen ist
dann nimm dich selber wie du bist
dann baue wieder und bau zuend
auf dies bescheidne Fundament

Antworten im Haupteingang des unternehmen mitte

In den letzten Tagen hing im Haupteingang des unternehmen mitte ein grosses Plakat mit unserer Frage: "Was würden Sie arbeiten, wenn für Ihr Einkommen gesorgt wäre".

Rasch füllt sich das Plakat mit über 70 spontanen Antworten: lustiges, ironisches, ernstes und tiefgründiges und auch ganz einfaches. Hier eine kleine Auswahl:

"Geschichtenerzählerin", "Meeresbiolog auf Hawai", "Möbeldesinger", "einen eigenen Buchladen", "Kinder und Jugendlichen beim lernen begleiten, viel lesen und schreiben + für den Fortbestand des bedingungslosen Grundeinkommens streiten", "Rikscha fahren", "Das gleiche wie jetzt: Kindergärtnerin", "Rosenzüchter", "Fährifrau", "Chirurg mit 20-Stunden-Woche", "Um die Welt segeln", "Reiseführer Verfasserin", "Jeden Tag etwas Neues", "Chai-Schop auf der Strasse (Gratis-Tee) betreiben", "...erstmal viel schlafen", "Heiraten + Kinder machen", "OK-Leiterin in einem Schulprojekt in einem 3. Welt-Land" und einer schrieb: "König der Schweiz" und zeichnete die Berge, die ja auch aussehen wie eine Krone....

02 April 2006

1. April in Frankfurt





Prof. Götz Werner (Mitte) und Dr. Benediktus Hardorp (Rechts) hielten am 1. April in Frankfurt am Main vor rund sechshundert Gästen Vorträge zum bedingungslosen Grundeinkommen. Die Diskussion moderierte Enno Schmidt (Links).

01 April 2006

Aphorismen zum Grundeinkommen von Dr. Stefan Brotbeck

Heute hat uns Stefan Brotbeck eine Auswahl von Aphorismen aus seinem 2004 im Pforte Verlag erschienen Buch "Dir gehört nur, was du geben kannst" zugesannt:



Ärmlich ist, wer sein Brot mit etwas verdient, was ihn nicht nährt.


Für viele beginnt das Berufsleben damit, sich mit etwas zu beschäftigen, womit sie innerlich abgeschlossen haben.

Die Aussicht auf eine sichere Pension hat schon manche Lebensentwürfe aus dem Leben getrieben.

Wenn ich das Geld wert bin, das ich verdiene, habe ich wirklich nichts anderes verdient.

Wie sähe eine Gesellschaft aus, in der jeder verpflichtet wäre, die Hälfte seiner Arbeitszeit darauf zu verwenden, nur das zu tun, was ihn mit Freude erfüllt?

Stellenmarkt – lauter Brillen auf der Suche nach einem Träger. Wer gute Augen hat, kriegt Ärger.

Krämerseelen müssen alles, was einen Menschen mit Interesse erfüllt, so auslegen, als würde es nur in seinem Interesse liegen.

Im Würgegriff der Handlungen, die wir unterlassen.


Vielen Dank an Stefan Brotbeck!