10 Mai 2007

Initiative Grundeinkommen in Aarau





Zwanzig Menschen kamen am 29. April zusammen im Forum Schlossplatz in Aarau, dem ersten Sitz der Regierung der Helvetischen Republik im 18. Jahrhundert.
Daniel Häni und Enno Schmidt stellten dort nun das bedingungslose Grundeinkommen vor. Ein Entwicklungsschritt des 21. Jahrhunderts. Nach den politischen Bürgerrechten ein wirtschaftliches. Es untermauert die vorhergehenden Menschenrechte und ermöglicht ihre Ausübung heute.
Die Veranstaltung fand im Kontext der Ausstellung zur Entwicklung der Arbeit in der Schweiz statt. Urlaub zum Beispiel, Ferien, das war bis 1966 noch ein Fremdwort in der Arbeitswelt. Unmöglich. Ein Schlaraffenland für die Faulpelze! Ein Blick in die Geschichte zeigt, wie Vieles Utopie war, was heute einen selbstverständlichen Ort hat.

Einer Zuhörer fragte, ob nicht vor dem Missbrauch gewarnt werden müsse, den die Mächtigen mit dem Grundeinkommen treiben könnten, vor der Möglichkeit, es als Sparprogramm zu benutzen, mit dem alle Sozialleistungen gestrichen würden aber das Grundeinkommen so niedrig sei, dass niemand davon leben könne, so dass der Arbeitszwang zu Niedrigstlöhnen die Regel würde und die Trennung der Gesellschaft in Gedungene ohne Einfluss und freie Fahrt für Kapitaleigner noch ungehemmter klaffe? Müsste man also nicht eher vor den Gefahren eines bedingungslosen Grundeinkommens warnen, als die Idee mit den guten Gedanken voranzutreiben?
Wir meinen, vor einem möglichen Missbrauch in die Knie zu gehen, bevor die Sache im Guten starkgedacht wurde, ist Selbstverhinderung. Aus der Furcht vor dem Schlechten entsteht noch nichts Neues. Auch bei einem selbst nicht.
Die Haltung des Grundeinkommens ist nicht, ominöse Mächte anzublinzeln und sich die Mütze voll Furcht zu gießen. Sie ist gerade nicht, sich im Irrgarten kommender Enttäuschungen zu verlieren, sondern: aufstehen und verstehen. Sich ernst nehmen, nicht ersonnene Gegner. Das bedingungslose Grundeinkommen ist eine Haltung, die nicht in Schwarz-Weiß nach Endgültigkeit kramt, sondern Gehen lernt in Widersprüchen, die sich in Bewegung lösen.

Wie man denn mit dem Ansturm von Migranten umgehen solle, wollte ein anderer wissen, die kämen, wenn ein Grundeinkommen in der Schweiz eingeführt würde? Bedingungslos? Hieße das denn nicht, dass alle Menschen auf der Erde es bekommen?
Doch, das hieße es, denn es ist ein menschheitlicher Gedanke. Doch ohne Form kein Anfang. Und eine Form hat Grenzen. In einem Land eingeführt, würde das Grundeinkommen eine Sogwirkung auf das Nachziehen anderer Länder entfalten.

Für die einen sind es die Migranten, für andere diejenigen, die mit einem Grundeinkommen nur absacken würden. Minderheiten sind einem schnell im Kopf. Sie sind so schön griffig und lenken ab von einem selbst und von der Mehrheit. Oft werden Probleme von Heute genannt, die gegen ein Grundeinkommen sprechen sollen. Aber die sind doch entstanden ohne ein Grundeinkommen und vielleicht gerade deshalb.

Eine Frau nannte das Stichwort Betreuung. Die würde mit einem Grundeinkommen viel mehr möglich. Nicht nur im Konkreten, sondern auch generell in der Haltung den Dingen und Menschen gegenüber. Anstatt die Aufgaben abzuhandeln, sie sich zu Eigen machen.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Wie würde man denn nun mit der zunehmenden Migration aus der EU umgehen; die durch ein Grundeinkommen und der gleichzeitigen Personenfreizügigkeit sicherlich hervorgerufen würde?
(Ich habe weder etwas gegen Migranten noch gegen ein Grundeinkommen.)

Anonym hat gesagt…

es hat sicherich verschiedene modelle damit umzugehen. denke da wird sich sicherlich eine lösung finden.