15 Oktober 2006

Interview mit Götz Werner in der Basler Zeitung



10 Tage nach dem begeisternden Auftritt von Götz Werner im "unternehmen mitte" erscheint ein längeres Interview mit dem dm-Chef in der Basler Zeitung.

Erläuternd zum Interview ist zu beachten, dass Götz Werner meist von einem Grundeinkommen in der Höhe von 1500 Euro (2300 Franken) spricht und damit eine Art "Kulturminimum" (ein sinniger Ausdruck von Werner) im Auge hat. Die 800 Euro entsprechen dem heutigen Transferbetrag in der BRD und erfüllen die Kritierien eines menschenwürdigen Existenzminimums kaum - jedenfalls nicht in der Schweiz.

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Website von Götz Werner

13 Oktober 2006

Jean Ziegler zum Grundeinkommen



"Zeit ist menschliches Leben"

Auch das mittlerweile 10 Interview in "a tempo" zur Zuknuft der Arbeit ist sehr lesenswert! Diesemal erzählt Jean Ziegler aus seiner engagierten Arbeit als UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung. Er äussert sich auch zum Grundeinkommen:

a tempo: Eine letzte Frage zum Thema Arbeit: Sehen Sie in unserem europäischen Umfeld, vor dem Hintergrund der charakterisierten großen Linien, irgendeinen Aspekt als besonders wichtig an?

Jean Ziegler: Das Grundeinkommen! In einer Welt, in der die Bedeutung der Erwerbsarbeit immer mehr abnimmt, ist es eine der dringlichsten Ideen überhaupt. Die Arbeitslosigkeit wird steigen und es ist längst nicht mehr sicher, dass jeder immer Arbeit hat. Aber es ist in jedem Fall sicher, dass der Mensch immer essen muss! Das Grundeinkommen verhindert, dass ein Mensch in Existenzangst zurückgeworfen wird und verzweifelt. So gesehen ist ein geregeltes Grundeinkommen auch ein Beitrag zur Verteidigung der Demokratie, des Gesellschaftsvertrags und eigentlich
der Zivilisation insgesamt.

Ganzes Interview lesen

12 Oktober 2006

Jour Fixe - Grundeinkommen



Einladung zum 1. "Jour Fixe - Grundeinkommen".
Rundgespräch mit Informationen, Feedbacks zur Veranstaltungsreihe, Ideen und Vorschläge für weitere Projekte, Fragen und Anregungen zur Initiative Grundeinkommen.

Freitag 20. Oktober um 20.30 im unternehmen mitte


Mit besten Grüssen
Enno Schmidt und Daniel Häni

11 Oktober 2006

Grundeinkommen zum Erntedankfest



"Braucht es in einer dynamischen Fruchtfolge neben Gemüse und Getreide neue Initiativ-felder für unseren Geist? Ich kann die Bundesdirektzahlungen in neuem Licht sehen. Sie sind unser Grundeinkommen und ermöglichen uns Pflanzen und Tiere zu pflegen und Lebensmittel für die Menschen zu kultivieren. Alle möchten die Arbeit sinnvoll, motivierend und begeisternd erleben".

Dies ein paar Worte aus der Einladung an die Initiative Grundeinkommen am Erntedankfest des Schwalbenhofs in Hauptikon (am Albis) die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens vorzustellen. Wir nahmen die Einladung gerne an und konnten somit unser Veranstaltungsreihe (Einkommen schafft Arbeit ...) sehr sinnig und ebenso sinnlich abschliessen!


Das geistreiche Impulsreferat von Enno Schmidt mündete in eine angeregte Diskussion über Mehrwert, Selbstwert und die Idee einer reinen Konsumbesteuerung.



Der Schwalbenhof wird von der Familie Schneiter zusammen mit einem jungen Team biologisch dynamisch bewirtschaftet. Sehr eindrücklich war der anschliessende Rundgang über den Hof, der uns klar machte, dass die Bauern nicht einfach Produkte erzeugen zum Verkauf, sondern jeden Tag neu an einem Gesamtkunstwerk arbeiten, das mit dem Produktepreis niemals umfassend abgegolten werden kann.



Von l.n.r. Alfred und Silvia Schneiter, Enno Schmidt, Daniel Häni und Alma, die sich wunderte, dass dort auch eine Kuh diesen Namen trägt.

10 Oktober 2006

Alle Fragen zum Grundeinkommen

Zum Abschluss der 12-tägigen Veranstaltungsreihe "Einkommen schafft Arbeit ... Mehrwert durch Grundeinkommen" kamen (unerwartet) nochmals über 100 engagierte Menschen ins Kuratorium um möglichst viele Fragestellungen, die durch die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens aufgeworfen werden von verschiendenen Gesichtspunkten zu kneten. Ein Brot wurde da gebacken, das nicht schnell aufgegessen sein wird!

Hier ein paar bildliche Impressionen:





















(Photos: Stefan Pangritz)

09 Oktober 2006

Grundeinkommen denken



Am 5./6. und 7. Oktober fand im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Einkommen schafft Arbeit ..." jeweils ein nachmittägliches Seminar mit PD Dr. Andreas Brenner statt. Anhand eines Textes von Seneca wurden Aspekte zum Grundeinkommen entwickelt.



Photos: Stefan Pangritz

Geschichten vom Geld



Julia Klein
(links) und Micaela Sauber bezauberten mit ihren ausgewählten Geschichten und Märchen zum Geld das zahlreiche Publikum im Kuratorium. Im anschliessenden Gespräch wurde einerseits deutlich, dass das Märchengold nicht immer nur den Franken und den Euro meint, mit dem der "Gute" belohnt wird, sondern das Gute selbst. Andererseits wurde gerade dadurch deutlich, dass Grundeinkommen jeden Menschen meint, den Guten, den Bösen, den Dicken, den Dünnen, den Reichen und natürlich auch den Armen.





(Bilder: Stefan Pangritz)

06 Oktober 2006

Grundeinkommen und die KünstlerInnen



7 ausserordentliche Persönlichkeiten debattierten im übervollen Kuratorium zum Selbstverständnis von Kunst, Kultur und Gesellschaft. Dieser (10!) Tage unserer Veranstaltungsreihe bescherte uns eine Implosion am Kunstbegriff und Klarheit darüber, dass Grundeinkommen nicht nur den Künstler im Menschen meint, sondern vorallem auch den Menschen im Künstler.
















V.l.n.r.
Stefan Heinrich Ebner, Künstler,Berlin
Bettina Dieterle, Schauspielerin, Basel
Georg Darvas, Theaterdirektor, Dornach
Adi Blum, Erfinder, Luzern
Heinrich Gartentor, Kulturminister, Thun
Veronika Sellier, Migros-Kulturprozent, Romainmotier
Britta Polzer, Kuratorin, Zürich









Photos: Stefan Pangritz

Grundeinkommen - ein Zeitspiegel

Das Grundeinkommen bündelt Zeitfragen, weil es sich auf das Leben der Menschen bezieht, und fächert sie auf in neue Chancen, in unterschiedliche Stränge gesellschaftlicher Entwicklung. Es berührt die Themen der Zeit und ist eine Basis für Veränderungen.



Schmidt liest Lotter
Enno Schmidt las aus dem neuen Buch von Wolf Lotter „Verschwendung“




Gronbach liest Van der Meulen
Sebastian Gronbach, Redakteur der Zeitschrift Info3 und inmedia, las aus dem neusten Buch „Herzwerk“ von Jelle van der Meulen.




Adrienne liest Goehler

Adrienne Goehler, Kuratorin der Hauptstadtkulturfonds Berlin, ehemalige Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Kultur, las aus ihrem neuen Buch „Verflüssigungen“




Als Supplement las Sebastian Gronbach aus Zeitungen des Tages, zwischen den Zeilen, aktuell, spirituell, informell

Ein wunderbarer Abend mit zwei hochkarätigen Gästen und einem tollen Publikum!

Bücherhinweise:

Jelle van der Meulen, Herzwerk, über die Lüge, den Abgrund
und die Liebe, Urachhaus Verlag 2006
Wolf Lotter, Verschwendung, Wirtschaft braucht Überfluss –
die guten Seiten des Verschwendens, Hanser Verlag 2006
Adrienne Goehler, Verflüssigungen, Wege und Umwege –
vom Sozialstaat zur Kulturgesellschaft, Campus Verlag 2006

Arbeitslosigkeit sichtbar

Grundeinkommen bei der Eröffnung der Ausstellung Arbeitslosigkeit sichtbar! In Zürich von Jens Martignoni

Am 5. Oktober wurde im Gemeinschaftszentrum Riesbach im Zürcher Seefeld die Ausstellung „Arbeitslosigkeit sichtbar!“ eröffnet. Fünf Künstlerinnen und Künstler zeigen auf grossformatigen Plakaten die verdrängten Aspekte der Arbeitslosigkeit. Dabei schöpfen sie aus der am eigenen Leibe erlebten Erwerbslosigkeit. Als möglicher Weg aus der heutigen Misere wurde das Grundeinkommen vorgestellt und die „Initiative-Grundeinkommen“ aus Basel kurz präsentiert. Die sehenswerte Ausstellung läuft noch bis zum 15. Dezember 2006.

Die Ausstellung besticht durch das gemeinsam erarbeitete grafische Konzept mit starker Betonung des textlichen, aber auch durch originelle Ideen. Dabei ist manchmal ein zynischer oder klassenkämpferischer Unterton herauszuspüren. Arbeitslos sein, heisst leider immer auch, sich mit den verdrängten, versteckten Emotionen unserer Gesellschaft auseinandersetzen zu müssen. Hier werden sie nun zum Teil sichtbar gemacht. So wird diese Kunst auch in sich zum Aufruf, die ungleiche Verteilung der Geldwerte in unserer Gesellschaft endlich einmal ernsthaft zu diskutieren und Arbeitslosigkeit nicht als Naturphänomen hinzunehmen, sondern als menschgemachte Fehlentwicklung zu korrigieren.

Ein Ansatz dazu wäre das Grundeinkommen. Die Idee eines solchen Grundeinkommens wurde von Ursula Knecht-Kaiser, Theologin und Labyrinth-Denkerin aus Wallisellen, kurz dargelegt. Sie ist Mitglied des Gesprächsforums „Gutes Leben“ und setzt sich für ein solidarisches und erfülltes Zusammenleben ein. Die Vorstellung der Basler „Initiative-Grundeinkommen“ übernahm Jens Martignoni, Sozialingenieur, Mitarbeiter der Basler Initiative und Mitglied von FleXibles, Verein zur Förderung neuer Arbeitsformen. Die präsentierten Ideen fanden Anklang beim Publikum und warfen sofort viele Fragen auf. In der lebhaften Diskussion, die anschliessend sich anbahnte, entstand die Idee, noch während der Laufzeit der Ausstellung eine vertiefte Veranstaltung zum Grundeinkommen durchzuführen. Die Beteiligten sind an einer Weiterentwicklung interessiert und suchen auch noch weitere Orte für ihre Ausstellung.

Arbeitslosigkeit sichtbar!, GZ Riesbach, Seefeldstrasse 93, 8008 Zürich, Di/Mi 14-22, Do/Fr 14-18, Sa 10-13, Besuch kostenlos

Weitere Informationen

Gerne nimmt der Autor Anregungen oder Kommentare entgegen:
Jens Martignoni – jmartignoni@flexibles.ch

04 Oktober 2006

Die Herren der Erschöpfung erklären uns die Welt: Eine Frau antwortet



Die Veranstaltungen zur Idee des Grundeinkommens lassen uns an einer Idee teilhaben, die - so wurde mir gesagt - mehr denn je in die aktuellen gesellschaftlichen Verhältnisse passt. Ich habe mehrere Abende lang Vorträgen und Podiumsgesprächen gelauscht und soweit ich verstanden habe, kann ein bedingungsloses Grundeinkommen nicht nur die materielle Existenz der Menschen besser sichern, sondern es ermöglicht ihnen auch, das zu arbeiten, was sie wirklich möchten. Dennoch bleibt ein schaler Nachgeschmack darüber, dass mir hier die Welt erklärt werden soll (Vornehmlich von Männern über 50). Ich verlasse die Veranstaltungen mit dem Gefühl, dass ich ein wenig dumm bin, wenn ich die Idee noch nicht begreife, und dass allein das Begreifen der Idee ihre Richtigkeit zementiert. Aalglatt, und mit beinahe zwanghafter Unangreifbarkeit wird uns die Perspektive eines bedingungslosen Grundeinkommens verkauft. Vielleicht ist es ein Generationenproblem. Vielleicht haben die doch etwas älteren Schöpfer der Idee nicht bemerkt, dass ein all zu schneidender „Rational-Sozialismus“ ein Relikt aus vergangener aufklärerischer Bevormundungsrhetorik ist, und dass die Wunschvorstellung vom „guten Patriarchen“, vom väterlichen Welterklärer oder philosophischen Monarchen ebenso verfänglich wie unsexy ist, und zuletzt: Dass der Versuch, all zu objektive Wahrheiten zu vermitteln, nicht nur am Ziel vorbeigeht, sondern vor allem jene Hilflosigkeit zum Ausdruck bringt, die zu verbergen die Dozenten so bemüht sind.

Was ich hier schreibe, versucht den Standpunkt der jüngeren Generation zu skizzieren, der unter Dreissigjährigen. Konkreter: den weiblichen Teil der jüngeren Generation. Wie trifft uns die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens?
Vielleicht hätte ein kleine Anmerkung gereicht. Ein kleines Eingeständnis daran, dass es Brüche gibt in unserem Glauben an die „grosse Idee“ (Die Wiener Politologin Margit Appel hat bisher als einzige Referentin ihren biographischen Standpunkt dargelegt. Sie hat ihre Ideen damit nicht nur glaubwürdig gemacht, sondern auch die Allmacht objektiver Sichtweisen auf befreiende Weise entkräftet). Die Herstellung von Wissen und Ideen ist ein Prozess, bei dem das, was von der Welt gewusst werden kann, durch die Machtverhältnisse, in die wir alle eingebunden sind, sowohl ermöglicht als auch beschränkt wird. Mir fehlte bei allen bisherigen Veranstaltungen die Ehrlichkeit eines solchen Eingeständnisses. Ich bin Feministin, und dies bedeutet - im Gegensatz zu vielen Vorurteilen – mehr, als einen gleichwertigen Status der Frau oder eine gleichberechtigte materielle Verteilung zwischen den Geschlechtern einzufordern. Feministisch sein bedeutet, dass man sich klarmacht: Position beziehen beinhaltet immer auch, dass man Praktiken der Macht ausübt, dass man etwas als „wahr“ setzt und dabei anderes ausschliesst. Für solche Praktiken müssen wir die Verantwortung tragen.
Und ebendiese Verantwortlichkeit fehlt bisher bei den Männern, die uns das Grundeinkommen als neue Gesellschaftsordnung vermitteln wollen. Ich kritisiere keine Inhalte, wohl aber Haltungen. Ich unterstelle den männlichen Vertretern des Grundeinkommens, dass sie eine Position einnehmen, ohne eine Angriffsfläche zu bieten. Ich hatte das Gefühl, dass diese Männer uns Blickwinkel eröffnen, die schon im Voraus bekannt zu sein scheinen, die wir nicht mehr aushandeln müssen. Wir aber wollen Ideen mit offenem Ausgang und mit Menschen dahinter, die die Irritation einer solchen Offenheit ertragen und vermitteln können! Was ich mir wünsche: Eine leidenschaftliche Unvoreingenommenheit. Das ist eine Metapher, Leidenschaft und Unvoreingenommensein widersprechen sich. Leidenschaft steht für „Eingenommenheit“, von etwas beseelt und vereinnahmt sein. Unvoreingenommenheit für Distanzierung, Abgekühltheit oder auch Neutralität. Die leidenschaftliche Unvoreingenommenheit meint eine Objektivität, die ihren eigenen Standpunkt nicht als einen Blick von nirgendwo auf die ganze Welt verkauft. Jeder Standpunkt ist verflochten in Machtmechanismen. Jeder Blick hat einen Standort, einen Winkel und eine begrenzte Reichweite und niemand kann sehen, ohne selbst gesehen zu werden. Wer etwas sieht und zum Ausdruck bringt, stellt sogleich etwas dar, ist also nicht mehr unschuldig objektiv, sondern verwoben in seine eigene Biographie oder die Biographie seiner Kultur.
Es ist ein kolonialisierender, ja entzaubernder Wunsch, einen allmächtigen Blick von nirgendwo nach überallhin zu haben. Und es ist ein Wunsch, dem der (westliche) Mann seit der Aufklärung hilflos verfallen zu sein scheint. Donna Haraway, eine der führenden feministischen Naturwissenschaftlerinnnen, bezeichnet diesen Wunsch als „Göttlichen Trick“. Ein scheinbar unschuldiger Trick, der es den Menschen ermöglicht, einen neutralen Standpunkt einzunehmen, mit dem sie die Macht haben, die Welt so zu sehen, wie sie ist.
Wenn ich für einen feministischen Standpunkt plädiere, geht es mir um eine Haltung, mit der wir Projekte und Ideen mit offenem Ausgang betreiben. Wir sind nicht für die Welt verantwortlich, wir leben hier einfach und versuchen, mittels unserer Werkzeuge, nicht-unschuldige Konversationen zu beginnen. Und dazu gehört das Eingeständnis, dass unsere Sicht der Dinge oft eine Interpretation aus einem nicht-unschuldigen Standpunkt heraus ist. Dieses Eingeständnis habe ich in den letzten Tagen vermisst, und vermisse ich auch in den Schrifterzeugnissen über das Grundeinkommen.

Franziska Schutzbach, Mitarbeiterin der Initiative Grundeinkommen

Götz Werner im "unternehmen mitte"



Weit über 300 Gäste strömten am Dienstag Abend in die "mitte" um den zur Zeit vielleicht brilliantesten Vertreter der Idee des bedingungslosen Grundeinkommens zu sehen und hören.









(Photos: Stefan Pangritz)

03 Oktober 2006

Wie lässt sich ein Grundeinkommen finanzieren?



Im "unternehmen mitte" trafen zwei entgegen gesetzte Pole eines Für und Wider des Grundeinkommens und seiner Finanzierung auf.

Dr. Benediktus Hardorp aus Mannheim, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer, gilt als Entwickler der aktuell diskutierten Finanzierung eines bedingungslosen Grundeinkommens durch die Mehrwertsteuer. Sein Vorschlag leitet sich u.a. aus der Überlegung ab, dass die Steuer erst am Ende der Wertschöpfungskette erhoben werden soll. Auf dem Weg der Herstellung einer Ware oder Dienstleistung sollen keine Steuern erhoben werden. Keine Unternehmenssteuern also, keine Einkommenssteuern. Die Steuer ist ein Teilungsvorgang der Wertschöpfung in den Staatsanteil und in den Privatanteil. Dieser Teilungsvorgang soll an dem Punkt geschehen, wo der Einzelne die Leistung anderer für sich zum Verbrauch in Anspruch nimmt; im Kauf also, im Konsum. Alle Steuern sollen nach in der Konsumsteuer zusammengefasst und somit auch transparent werden. Dadurch verringern sich die Nettopreise, denn in ihnen sind nicht mehr wie Heute alle Steuern aus dem Wertschöpfungsweg enthalten. Die dann sehr hohe Konsumsteuer/Mehrwertsteuer von ca. 80%, die gesamte Staatsquote in der Mehrwertsteuer, führte nicht zu einer Erhöhung der Endpreise für die Verbraucher.



Da die Mehrwertsteuer nicht über die Staatsgrenzen geht, würden inländische Produkte im Ausland billiger. Denn in ihren Nettopreisen sind nicht mehr wie Heute die vielfältigen Steuern der Wertschöpfungskette enthalten, das heißt, die Kosten der inländischen Infrastruktur. Produkte aus dem Ausland hingegen würden im Inland mit der hohen Mehrwertsteuer belastet und also teurer. Das ist ein eindeutiger Wettbewerbsvorteil für das Land, welches alle Steuern in der Mehrwerstteuer abbildet. Es gäbe also auch für andere Länder einen hohen Anreiz, ihr Steuersystem in dieser Weise umzustellen auf die alleinige Mehrwertsteuer.



Ob wir diese Steuer Mehrwertsteuer nennen oder Verbrauchssteuer, Konsumsteuer, Umsatzsteuer, gemeint ist der Vorgang, dass die gesamte Staatsquote, alles Geld, mit dem wir den Staat zur Erledigung der von uns gewollten Aufgaben beauftragen und bezahlen, in einem einzigen Steuerbetrag zusammengefasst wird. Benediktus Hardorp zeigte die Herkünfte und Wirkungen dieser Steuerrechtsänderung auf. Kernpunkt ist, dass die Zusammenfassung aller Steuern in der Mehrwertsteuer die Initiative der Menschen fördert und demokratische Transparenz in der Steuer herstellt, dass sie außerdem der globalisierten Wirtschaft angemessen ist. Staatskosten werden nicht mehr mit den Preisen ins Ausland transferiert. Die Mehrwertsteuer ist eine Steuer, vor der man nicht weglaufen kann. Arbeit und Unternehmen sind ihrem Wesen nach steuerfrei.

Prof. Dr. Reiner Eichenreger, Finanzwissenschaftler von der Universität Fribourg, hielt dagegen, dass bei einer so hohen Mehrwertsteuer massiv mit Steuerbetrug zu rechnen sei. Die Mehrwertsteuer, aus der dann ein Grundeinkommen finanziert werden solle, sei im Übrigen nur eine verdeckte negative Einkommenssteuer, und die funktioniere nicht. Um ein Grundeinkommen von 3 Tausend SFr. zu finanzieren, müsste die Mehrwertsteuer dann etwa 170 % betragen. Warum nicht gleich 6 Tausend SFr. für jeden? Es sei eine reine Utopie. Eintausend Franken für jeden seien zu finanzieren. Das Grundeinkommen sei aber damit verbunden, dass es alle heutigen Sozialleistungen ersetzt. Denen, die das Geld brauchen, die heute mit den Sozialleistungen viel besser gestellt sind, würden die Leistungen weggenommen. Es sei auch völlig illusorisch und nicht mal wünschenswert, dass mit einem Grundeinkommen alle plötzlich kreative Künstler werden. Wozu sollten Menschen, die kein Grundeinkommen brauchen, eines erhalten? Die Idee des Grundeinkommens, so Prof. Eichenberger, sei ihm im Grunde sympathisch. Um sie aber nicht in Utopien zu verlieren, sollte es ein Grundeinkommen geben für diejenigen, bei denen damit tatsächlich innovative und kreative Potentiale freigesetzt werden.



Der Moderator wies darauf hin, dass die Höhe eines Grundeinkommens davon abhängt, was wir wollen, was wir für richtig erachten, was dann auch finanzierbar ist, und dass die konkrete Zahl sich im Laufe einer schrittweisen Einführung erst ergeben kann. Mit einer hypothetischen Zahl gegen das Grundeinkommen abzurechnen, sei also gegenstandslos.
Der Begriff der Kreativität würde im Übrigen heute als sehr verflachtes Schlagwort gehandhabt. Dass viele sich in künstlerischen Berufen tummeln, in denen sie nicht besonders gut sind, läge daran, dass in den Tätigkeitsfeldern und Berufen, wo sie wirklich gut sein könnten, nicht die Freiräume bestehen, die qualitative, selbst bestimmte Arbeit zulassen. Da würde das Grundeinkommen neue Chancen auftun. Ein Grundeinkommen, das selektiv gegeben wird, habe die bekannten Nachteile der Kriterienkataloge, wie sie auch Stiftungen handhaben, die sich in der Praxis von den individuellen Intentionen der Menschen entfernen, durch langwierige Vergabverfahren Aktivität mehr behindern als fördern. Es sei besser, die Menschen nicht mehr wirtschaftlich zu bevormunden, nicht von Oben festzulegen, wer beispielsweise kreatives Potential habe und wer nicht, wer ein Grundeinkommen brauche und wer nicht, sondern es tatsächlich jedem und jeder in seine und ihre Verantwortung zu geben, wie er oder sie sein Leben führt und sich für andere einsetzt.

Dr. Benediktus Hardorp wies darauf hin, dass auch bei einem Grundeinkommen und bei einer alle Steuern enthaltenden Mehrwertsteuer viele situative- und Sonderregeln möglich sind, wenn wir dies für sinnvoll erachten. Es gehe zunächst um das Denken und Verstehen der Idee im Überblick, in ihren Herleitungen und anzunehmenden Folgen.
Prof. Eichenberger räumte ein, dass es hierbei vor allem um das Menschenmodell ginge. Ist der Mensch innovativ, gut und altruistisch? Oder folgt er seinem egoistischen Vorteil?
Dr. Hardorp verglich diese Frage später mit einer anderen: „Ist das Glas halb leer, oder ist es halb voll?“

Eine wichtige Bestätigung des Mehrwertsteuermodells gab es von Prof. Eichenberger bezüglich der Transparenz. Steuerhinterziehung findet heue in großem Umfang statt. In der Schweiz ist dort die Steuerhinterziehung am geringsten, wo die Leute wissen und mitbestimmen, was mit der Steuer gemacht wird. Die Mehrwertsteuer, in der sich der gesamte Staatsanteil zeigt, würde in diese Richtung wirken. Einsicht und Sinnfindung sind die einzig wirksamen Mittel gegen den Steuerbetrug.



Diese Debatte im Rahmen der Veranstaltungsreihe der Initiative Grundeinkommen war hoch geladen mit Ausgrenzung und Ignorieren der Position des Anderen. Dennoch zeigten die Ausführungen von Dr. Hardorp einen Einblick in die Idee der alleinigen Konsumbesteuerung, und Prof. Eichenbreger konnte Schwellen deutlich machen, die mit Recht oder Unrecht – das blieb auf dem Podium letztlich unbeantwortet – gegen die Idee stehen und von manchen Befürwortern träumerisch übergangen werden. Viele Beiträge aus dem Publikum brachten aber Antworten auf diese Fragen aus eigenen Erfahrungen und fröhlichen Perspektiven. Nur ein Wortbeitrag sprach von einem anthroposophischen Wir in der Idee des Grundeinkommens, was als ausgrenzender Tiefschlag von der Mehrzahl der ZuhörerInnen gütlich überhört wurde.

Die Idee des Grundeinkommens wie seiner Finanzierung gehört niemandem. Die Auseinandersetzung ist frei. Über allem Für und Wider steht die Achtung des Anderen. Mit dieser Einstellung befand sich die Initiative Grundeinkommen Gestern auf dem Prüfstand und auf stürmischer See.

02 Oktober 2006

Filmpremiere im unternehmen mitte



Zum ersten Mal wurden Gestern Abend zwei Filme zum Grundeinkommen im Kinoformat gezeigt.


Ganz normale Menschen im Großformat, Debatten, Gedichte und gefilmte Performances der Initiative Grundeinkommen, Interviews und Vortragsausschnitte, Kabarett- und Theateraufnahmen zum Thema aus vielen Städten in der Schweiz und in Deutschland.

Es seien mehr Fragen als Antworten in den Filmen, sagte ein Zuschauer. So ist es gemeint. Die Filme erzählen von dem, wie die Leute denken. Pro und Kontra, Abwegiges und Ungeahntes, durchdacht Ausformuliertes und Fragmentarisches und in der Komposition Antworten, die nicht endgültig bleiben. Die Filme sind informativ, schaffen aber vor allem einen Raum, in den danach jeder und jede aus dem eigenen Fundus hineinprojizieren kann.

In einer Woche werden die Filme dieser Filmnacht online auf www.grundeinkommen.tv zu sehen sein.

01 Oktober 2006

Grundeinkommensdebatte am Goetheanum



Gestern Abend diskutierten vor voll besetztem Saal am Goetheanum in Dornach Matthias Spielkamp, Götz Werner, Götz Rehn, Ulrich Rösch, Christoph Koellreuter und Benediktus Hardorp über den Arbeitsbegriff und die Solidarität, über das bedingungslose Grundeinkommen als europäisches Thema oder weltweites, und über den Vorschlag der Steuerrechtsänderung von Benediktus Hardorp, der maßgeblich ist auch für eine Finanzierung des Grundeinkommens.
Die Moderation des Podiums hatte Paul Mackay.

Lebhaft wurde das Gespräch, als aus dem Plenum immer wieder darauf hingewiesen wurde, dass mit einem Wegfall progressiver Einkommensbesteuerung und der Mehrwertsteuer als einziger Steuer - so Hardorps Vorschlag - die Reichen ungehindert reicher werden und ihren Beitrag zur Gemeinschaft nicht mehr leisten. Haben das Grundeinkommen und die vorgeschlagene Steueränderung nicht zur Folge, dass Unternehmer wie Götz Werner sich die Taschen noch voller stopfen? Wo bleibt da die Gerechtigkeit?

Angenehm unparteiisch brachte Matthias Spielkamp (Wirtschaftsmagazin brand eins) sein originäres Denken und Umfeldinformationen in die Diskussion ein. Christoph Koellreuter schuf durch seine Anti-Grundeinkommen Haltung eine belebende Reibefläche für viele spritzige Pro-Argumentationen. Bezogen auf eine interessante Gesellschaftsentwicklung hatte er zuvor gesagt: 'Nach Deutschland schauen wir in der Schweiz schon lange nicht mehr. Eher vielleicht nach Skandinavien.'

Schönes Fest. Leider ohne eine Frau auf dem Podium!


Benediktus Hardorp wird seine Idee einer Zusammenfassung aller Steuern in der Mehrwertsteuer/Konsumsteuer am Montag, 2. Okrober, von 15:00 bis 16:30 Uhr im Unternehmen Mitte in einem Seminar erläutern.
Um 20:30 Uhr trägt er in der Halle des Kaffeehauses die Steuerrechtsänderung vor. Podiumsdiskussion mit Prof. Reiner Eichenberger, Universität Fribourg.
Und alles, was Sie wissen wollen.

Götz Werner ist am Dienstag, den 3. Oktober, bei uns zu Gast. Der Vortrag beginnt um 20:30 Uhr. Anschließende Diskussion - open end.

Arbeit - eine Herausforderung



Tolle Veranstaltung zum Grundeinkommen am 6. und 7. September in Stuttgart mit u.a. Götz Werner und Benediktus Hardorp

Link zu den Veranstaltern

Grundeinkommen statt Hartz IV


Rundfunk Berlin Brandenburg:
Klipp und Klar am 26.09.2006

"Fünf Millionen Menschen ohne Arbeit und das politische Ziel der Vollbeschäftigung in weiter Ferne - ein Blick auf den Arbeitsmarkt verspricht nichts Gutes. Und den Reformen rund um Hartz IV fehlt bislang die Durchschlagskraft. Goetz Werner, Chef einer der größten Drogerieketten in Deutschland mit 23.000 Mitarbeitern, kämpft nicht zuletzt deshalb für eine völlig neue Auffassung von Arbeit.

Der Unternehmer aus Karlsruhe will die Menschen von der Pflicht zur Arbeit befreien, um so die "kreativen Kräfte des Einzelnen" zu wecken. Seine Forderung: ein Grundeinkommen in Höhe von ca. 1.500 Euro für alle – bedingungslos und lebenslang. Finanziert werden soll dieses Bürgergeld durch den Wegfall aller Sozialabgaben und Subventionen sowie eine drastisch erhöhte Mehrwertsteuer.

Was ist von einem solchen Konzept zu halten – fantastische Spinnerei oder echte Alternative zur jetzigen Arbeitsmarktpolitik? Ist die Kritik an Hartz IV berechtigt? Macht das "manische Schauen nach Arbeit", wie Werner formuliert, eine Gesellschaft wirklich krank?"

Es diskutieren am Dienstag 26.9.06 live bei KLIPP UND KLAR:

Thilo Sarrazin, SPD, Berliner Finanzsenator
Katja Kipping, DIE LINKE, stellvertretende Parteivorsitzende
Goetz Werner, Chef der Drogeriekette dm
Gunter Gabriel, Sänger

Moderation: Andreas Schneider


Link zur Sendnung


Am Dienstag 3. Oktober spricht Götz Werner live im unternehmen mitte 20.30