29 August 2006

24 August 2006

Bürgergeld oder Lohnarbeit?




Interview mit Prof. Herbert Schui zum Grundeinkommen auf kanalB.


Er möchte durch das Wiederereichen der Vollbeschäftigung dem repressiven Charakter der Erwerbsarbeit den giftigen Zahn ziehen. Klingt utopisch...

Hören und schauen sie selber:
link zu kanalB

19 August 2006

"Schlachtopfer des Fleisses"



"Lösen sich die Grenzen zwischen Arbeit und Spiel allmählich auf?"

So titelt ein schöner Text von Siglinde Geisel in der Rubrik Zeitzeichen in der NZZ vom 18. August. Die Autorin (*1965) geht der gestellten Frage fassettenreich nach und gipfelt in einem Satz, den wir herausheben wollen:

"Gar nichts tun ist eine besondere Kunst. Man muss jene quälende Leere aushalten, die jederzeit in Kreativität umschlagen kann."

"Schlachtopfer des Fleisses" ist übrigens ein Zitat von Friedrich Nietzsche (im Bild). Mit Nietzsche endet Frau Geisel auch ihren Artikel: "Für den Denker und für alle empfindsamen Geister ist Langeweile jene unangenehme Windstille der Seele, welche der glücklichen Fahrt und den lustigen Winden vorangeht".

p.s.
Natürlich kommen auch Schillers treffende Worte aus seinen Briefen "über die ästhetische Erziehung des Menschengeschlechts" vor:
«Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.»

Link zum Text in der NZZ

17 August 2006

Das "Thüringer Modell"



Deutscher Ministerpräsident macht einen Vorschlag für ein bedingungsloses Grundeinkommen. Dieter Althaus (CDU) ist Ministerpräsident des Bundeslandes Thüringen.

Dieter Althaus geht von folgender Bestandsaufnahme aus:

Die Würde des Menschen muss gewahrt bleiben. Die Arbeitslosigkeit wächst. Niedriglöhne sind nicht mehr existenzsichernd. Die Sozialleistungen Hartz IV und Arbeitslosengeld II sind stigmatisierend und geben keinen Leistungsanreiz, da ein Zuverdienst fast vollständig eingerechnet wird. Die Menschen wollen arbeiten. Die Schwarzarbeit macht in machen Branchen bis zu 40 % aus. Das Sozialversicherungssystem hält sich in Deutschland nur noch durch eine zusätzliche Steuerfinanzierung von 40 %. Die Sozialversicherungsbeiträge steigen, während die Leistungen sinken. Insbesondere bei den Renten. Die öffentlichen Haushalte sind mit 1,5 Billionen € verschuldet. Die Bürokratie wächst. Der Kontrollaufwand staatlicher Leistungen ist oft höher als die Leistungen. 155 Sozialleistungen werden von 37 verschiedenen Stellen ausgegeben.

Beachten Sie folgende Links des Ministerpräsidenten:

Das solidarische Bürgergeld


Thesen

Fragen und Antworten

Kurze Zusammenfassung:

Das "Thüringer Modell" für ein bedingungsloses Grundeinkommen sieht vor:
- Es steht jeder Bürgerin und jedem Bürger zu, die mindestens seit zwei Jahren ununterbrochen einen festen Wohnsitz im Land haben.
- Es beträgt 800 € monatlich
- Es beträgt für Kinder und Jugendliche bis zu ihrem 18. Lebensjahr 500 € monatlich, die an die Eltern ausbezahlt werden.
- Es beinhaltet immer 200 € Krankenkassenbeitrag, der direkt an die Krankenversicherung abgeführt wird. Die Krankenkasse kann frei gewählt werden. Es besteht Wettbewerb unter den Krankenkassen bezüglich der angebotenen Leistungen. Es besteht die Möglichkeit der Höherversicherung. Es besteht die Möglichkeit von Beitragserstattungen. Aber es besteht nicht die Möglichkeit eines geringeren Beitrages als 200 € im Monat.
- Einkommen über das Grundeinkommen hinaus bis zu 1600 € unterliegen einem Steuersatz von 50 %.
- Einkommen über das Grundeinkommen hinaus ab 1600 € unterliegen einem Steuersatz von 25 %, wobei das Grundeinkommen dann auf 400 € reduziert wird.
- Ab einem Einkommen von mehr als 2000 € über dem Grundeinkommen greift eine progressive Einkommenssteuer.
- Sozialversicherungsbeiträge für Arbeitgeber und Arbeitnehmer entfallen, wie auch die bisherigen Sozialleistungen: Wohngeld, Kindergeld, Arbeitslosengeld usw.
- Personen mit Behinderungen und in besonderen Lebenslagen erhalten einen individuell bedarfsorientierten Zuschlag.
- Menschen ab 67 Jahren erhalten einen Rentenzuschlag.

Die Kosten für dieses solidarische Bürgergeld liegen unter 600 Milliarden € gegenüber jetzt weit über 700 Milliarden € Sozialkosten. Finanziert werden soll das solidarische Bürgergeld und die Zuschläge vor allem durch die 50 % bzw. 25 % Steuern auf das zusätzliche Einkommen. Sowohl in die Staatskasse als auch an die Krankenversicherungen fließt mehr Geld als bisher. Und das noch ungerechnet der Einsparungen an bürokratischem Aufwand.

Klaus Maria Brandauer für ein Grundeinkommen




Der Regisseur, Film- und Theaterschauspieler Klaus Maria Brandauer aus Österreich tritt für ein Grundeinkommen ein.

"Die Gesellschaften Europas können sich das leisten."

In der Zeitschrift «Galore» erklärte er, da nicht mehr alle einen bezahlten Beruf ausüben können, müsste den Menschen die Möglichkeit des Lebens anders finanziert werden. Es gehe darum, den Menschen Gehör zu verschaffen.

15 August 2006

Interview mit Wolf Lotter im Migros-Magazin



Wolf Lotter:
"In der Schweiz ist das Wort Bürger noch ein Wertbegriff, in der EU ein Schimpfwort. In der Schweiz hat man noch Rechte und Pflichten, die Menschen nehmen ihr Schicksal selbst in die Hand."

Link zum Interview
Aus dem Migros-Magazin! Nr. 33

Ein spannendes polemisches Interview vom brand eins Mann - dort zuständig für Schwerpunkte und Entwicklung - nicht direkt zum Grundeinkommen, aber zu seiner Begründung.

Am 4. Oktober liest Enno Schmidt in Basel aus dem neusten Buch von Wolf Lotter:Verschwendung - Wirtschaft braucht Überfluss

Siehe: Veranstaltungshinweise pdf s. 35

13 August 2006

Veranstaltungsreihe in Basel - Vorankündigung



Einkommen schafft Arbeit - Mehrwert durch Grundeinkommen

Eine 12-tägige Veranstaltungsreihe in der ehemaligen Schweizerischen Volksbank zum Thema Grundeinkommen. Di. 26. September bis Sa. 7. Oktober, unternehmen mitte, Basel.

Programm-Flyer PDF

Programmheft PDF 2.5 MB

Am 24. August erscheint das ausführliche Prgrammheft als hübsches, kleines informatives A6 Booklet mit Bildern, Texten und Zeichnung.
Senden Sie uns ihre Adresse, oder ein an Sie adressiertes und frankiertes Couvert an:
Initiative Grundeinkommen
unternehmen mitte
Postfach
4001 Basel
Wir senden Ihnen gerne die Gewünschte Anzahl Programmhefte zu.

Weiter Informationen folgen hier auf dem NEWS BLOG und in unseren nächsten INFOMAILS

08 August 2006

Was würden Sie...



Seit 3-4 Monaten stellen wir diese Frage auf unserer Website, auf Postkarten und einzelnen Plakaten. Die Antworten die an uns zurückgelangen sind oft sehr interessant, zum teil rührig, mache berühren und können einen auch betroffen machen. Eine dieser Antworten stellen wir heute auf den NEWS BLOG:

"Auch ich gehöre zu denen, die nicht glauben, dass mit einem Grundeinkommen das allgemeine Faulenzen ausbrechen würde. Sicher würden sich manche eine Auszeit gönnen, die beruflich überlastet und gestresst sind. Aber danach hat man wieder Energie und möchte etwas tun! Nichtstun macht auf Dauer nicht glücklich. Arbeit hat etwas Befriedigendes. Sie ist Möglichkeit, die eigene Persönlichkeit auszudrücken und durch die Rückmeldung der Mitmenschen, die das Produkt meiner Arbeit konsumieren, ist sie auch Quelle der Selbstbestätigung und Anerkennung. Auf diese wunderbaren "Streicheleinheiten" will bestimmt keiner verzichten! Durch ein Grundeinkommen wäre uns erst mal viel Zwang, Druck und Belastung genommen. Jemand, der heute arbeitslos ist, schreibt hunderte von Bewerbungen, bietet sich an wie ein Stück Vieh und bekommt nirgends eine Chance. Und er denkt, er sei ein schlechter Mensch, wertlos für die Gesellschaft. Durch diese ständige Ablehnung liegen so viele Talente und Fähigkeiten brach, ein riesiges Potential wird hier einfach ignoriert.
Weit über seine beruflichen Qualifikationen hinaus, hat jeder Mensch noch zahlreiche andere Begabungen, die keine Berufsbezeichnung haben, die aber genauso sinn- und wertvoll sind und dadurch, dass das Grundeinkommen gesichert ist, könnten all diese Menschen endlich tätig werden, sich einbringen. Auch Menschen, die heute nur eingeschränkt erwerbsfähig sind, z. B. aus gesundheitlichen Gründen, wären dadurch produktiver, weil sie eine Menge anderer Fähigkeiten einbringen könnten, für die sich im derzeitigen System niemand interessiert. Wenn ich ein gesichertes Einkommen hätte, würde ich erst mal in die Natur hinaus gehen, tief durchatmen und sämtliche Zwänge abstreifen, besonders die Schuldgefühle, die einem von der Gesellschaft übergestülpt werden. Und danach würde ich richtig durchstarten. Mal zeigen, was in mir steckt! Und viel freudiger und glücklicher an alles herangehen als bisher! Warum sind manche arbeitsunwillig? - Weil die Bedingungen schon so unmenschlich geworden sind. Wird das wieder der menschlichen Leistungsfähigkeit angepasst, kann man wieder ohne Angst vor Kündigung oder anderen Repressionen arbeiten, wird man wieder viele für Erwerbstätigkeit gewinnen!"

Andrea Pirringer (*1971), mehrere abgeschlossenen Ausbildungen, Rosenheim

wir bedankten uns bei frau pirringer:

"liebe andrea pirringer
besten dank für ihre antwort - das haben sie alles sehr treffend beschrieben!
wir haben Ihre Antwort auf unsere website aufgenommen.
im herbst werden wir in basel eine grössere veranstaltungsreihe zum grundeinkommen organisieren.
sie sind dazu natürlich herzlich eingeladen!
mit besten grüssen
enno schmidt und daniel häni"

woraufhin sie uns schrieb:

"sehr geehrte herr häni und herr schmidt
vielen dank für das lob und die nette einladung. leider werde ich dieser nicht nachkommen können (ich würde gerne an vielen veranstaltungen teilnehmen), denn in unserem lande wird der druck auf die arbeitslose bevölkerung immer mehr erhöht. das gleicht schon fast einer ausgangssperre. die kontrollwut kennt keine grenzen. nun hört man auch vereinzelt stimmen, die den derzeit bestehenden urlaubsanspruch für arbeitslose abschaffen wollen. das gleicht immer mehr dem offenen vollzug. man darf zwar noch vor die tür gehen, aber der radius wird immer weiter eingeschränkt. so bin ich seit jahren nicht weiter als 70 km verreist. man muss einen antrag stellen, der nicht immer bewilligt wird. die bearbeitungszeit beträgt mindestens eine woche. und allein aufgrund der tatsache, dass man die courage hat, einen urlaubsantrag zu stellen, muss man mit diversen repressionen rechnen.
so grüsse ich Sie aus der ferne,
mit den besten wünschen
a. pirringer"

Weitere über 70 Antworten finden sie unter:

Antworten Lesen

29 Juli 2006

Tagung zum Grundeinkommen in Langenthal



Am Freitag 8. September lädt die Arbeitsgemeinschaft assoziative Wirtschaft (ARGE) zu einer öffentlichen Tagung zum bedingungslosen Grundeinkommen ein.

Die Referenten sind Dr. Benediktus Hardorp aus Mannheim (Steuerexperte) zum Stand der Diskussion in Deutschland, sowie Enno Schmidt und Daniel Häni (Initiative Grundeinkommen) zur Situation in der Schweiz.

Tagungsprogramm lesen

Das Treffen beginnt um 09.00, dauert bis ca. 16.00 und findet in den Räumlichkeiten der bekannten Teppichfabrik Ruckstuhl statt.

23 Juli 2006

Paul Ignaz Vogel - Mediendienst Hälfte



Aus Bern hat uns Paul Ignaz Vogel einige Beiträge zugesandt. "Hälfte" heisst sein bereits im 11. Jahrgang erscheinender "unahängiger Mediendienst zur Arbeit und zur Erwerbslosigkeit".

Hier die neuesten 5 Beiträge:

Erwerbstätige und Erwerbslose

Gesundheit für Erwerbslose

Für existenzsicherndes Grundeinkommen

Working poor ohne tagesschule

Sinnlose Bewerbungspflicht für Stellenlose


Und hier eine kurzes Interview mit Paul Ignaz Vogel im Bulletin der Alternative Kanton Zug:

Nur seinem Gewissen verpflichtet PDF Seite 22/23

22 Juli 2006

Präsident des Hamburgerischen Welt-Wirtschafts-Institutes für ein bedingungsloses Grundeinkommen


Thomas Straubhaar zählt schon länger zu den Befürwortern des Grundeinkommens.

Gut beschrieben ist von Prof. Straubhaar in seinem Beitrag im Rheinischen Merkur die Auswirkung des bedingungslosen Grundeinkommens auf alle anderen Transferzahlungen und auf den 'Anreiz' zur Arbeit. Gut benannt ist auch die Tatsache, dass unsere Sozialsysteme von Verhältnissen ausgehen, die so nicht mehr gegeben sind, und darum immer mehr Menschen in schlimme Armut fallen, was nur oberflächlich vertuscht werden kann mit eben der Ausrede, wir hätten ja funktionierende Sozialsysteme. Sie funktionieren nicht mehr. Die Not vieler und die allgemeine Angst, die ein Bremsschuh gesellschaftlicher Produktivität ist, müssten nicht sein, kämen wir ins Denken. Leisten können wir uns ein Grundeinkommen für alle.
Bei der Finanzierungsfrage berührt Prof. Straubhaar leider noch nicht die Vereinfachung des Steruerrechts durch eine umfassende Mehrwertsteuer. Er bleibt bei der initiativhemmenden und ebenfalls nicht mehr zeitgemäßen Einkommenssteuer.

Straubhaar_Artikel.pdf

21 Juli 2006

Deutsche gründen Parteien

In Deutschland gibt es kein direktes Mitspracherecht für die Bevölkerung. Darum kommen sie dort immer wieder darauf, eine neue Partei zu gründen, wenn sie etwas gesellschaftlich umsetzen wollen.
Nun ist es die "Partei sozial gerechter Demokratie". Sie ist für ein Grundeinkommen. Und sie plant einen Grundeinkommenstag für den 30. September - parteiübergreifend.

Aus der Ankündigung:
"Zielsetzung des 1. Grundeinkommenstag ist:
- den BGE-Gedanken den Menschen näher zu bringen.
- Aufzuzeigen, daß es Alternativen zu Sozialabbau und Hartz IV gibt.
Unterschiede in den einzelnen BGE-Konzepten spielen für die Teilnahme am Grundeinkommenstag keine Rolle. Vielmehr ist es wichtig, die Breite der
gesamten BGE-Bewegung den Menschen - und nicht zuletzt den Medien - vor Augen zu führen."

20 Juli 2006

Mindestlohn ist nicht Grundeinkommen

In Deutschland fordert die Fraktion DIE LINKE. im Bundestag die Einführung eines Mindestlohnes. Acht Euro die Stunde soll er betragen. Vor allem in den östlichen Bundesländern Deutschlands arbeiten sich viele arm. Denn von vier oder fünf Euro Stundenlohn kann keiner leben. Vor allem Frauen sind von diesen prekären Beschäftigungsverhältnissen betroffen, was sich dann auch auf ihre Renten auswirkt. Und wer in den wirtschaftlich florierenden Gegenden Deutschlands von Sozialgeld oder solchen Hungerlöhnen sein Dasein fristen muss, ist besonders arm dran. Denn dort sind die Lebenshaltungskosten höher. 'Man muss von seiner Arbeit leben können', so die eingängige Botschaft der LINKEN.
Das klingt gerecht und nach Hundert Jahre Nichtdenken.

Wir wollen nicht in die parteipolitische Debatte einsteigen und nicht detailliert nachweisen, wie eingekerkert und kurzsichtig diese Forderung nach Hafterleichterung durch Mindestlohn ist. Wir wollen aber dieses Auftreten einer parteipolitischen Forderung, die für ein unscharfes Sehen mit einer Art Grundeinkommen verwechselt werden könnte, ansprechen und akzentuieren, was ein Grundeinkommen ist.

Das bedingungslose Grundeinkommen bewegt aktuell und sofort die eigenen Vorstellungskräfte. Was würden Sie tun, wenn für Ihr Einkommen gesorgt wäre? Es spricht Ihr freies Denken an. Es spricht auch Ihre Verantwortung an. Es spricht Ihr Menschenbild an.
Viele Menschen halten gerade das für Utopie, was sie selbst wirklich richtig fänden. Darum denkt man nicht mehr daran. Mit dem Grundeinkommen bewegt sich da etwas. Das bedingungslose Grundeinkommen nimmt den Menschen als Ganzes ernst, nicht nur in seiner Verwertbarkeit.
So etwas steht auch schon in 1000 Büchern, von Unternehmensphilosophen wird es in schöne Leitsätze geformt, von den Kanzeln des modernen Lebens wird es gepredigt und dort liegengelassen. Wir drücken uns um die Anforderungen, die wir gemüthaft selbst aufstellen. Viel ist da nicht mit Leistungsgesellschaft. Das zwanghafte Festhalten an den untergehenden Balken der Vollbeschäftigung und der Selbstlegitimation durch abhängige Erwerbsarbeit ist keine Leistung.

Wir haben Güter genug und auch Geld genug, aber offensichtlich mangelt es an Geist, den Menschen voll zu nehmen und an Mut, die Verhältnisse sachlich zu begreifen. Wir leben in Mythen und Angst.

Das bedingungslose Grundeinkommen ist kein Mindestlohn, denn es wird an alle ohne Leistungsnachweis und ohne Arbeitszwang ausgezahlt. Es klebt nicht fest an einem eingeschränkten Arbeitsverständnis, das Arbeitslose schafft.

Das bedingungslose Grundeinkommen zieht den Schleier des Knappheitsmythos weg.
Es gibt so viel Arbeit, wie es Menschen gibt.
Heute wird unendlich viel Arbeit verhindert. Es wird eine Unmenge an unternehmerischem, innovativem und gemeinnützigem Potential abgeblockt. Es wird viel vorhandener Bedarf nicht befriedigt, weil er sich nicht in kaufkräftiger Nachfrage abbilden kann.

Das bedingungslose Grundeinkommen ist die notwendige Basis einer zukunftsfähigen Leistungsgesellschaft. Sie geht vom Menschen aus. Zum Menschen gehört auch Muße. Schauen Sie sich an, wie schwer Ihnen wirkliche Muße fällt, dann wissen Sie, was für eine Leistung sie ist. Muße ist die Voraussetzung für Kreativität. Wirtschaftlicher Erfolg basiert weniger auf gedungenem Fleiß, als auf Erfindungen, die tausend Hände überflüssig machen. Und auf Erfindungen, die neuen Sinn geben.
Wirtschaft ernährt sich von Kultur. In sich selbst dreht Wirtschaft hohl und schafft Phantome. Gesellschaft ist nicht nur Wirtschaft.

Das bedingungslose Grundeinkommen für jeden ist die Einlösung dessen, was die Generationen vor uns geleistet und uns übergeben haben, und die Ermöglichung dessen, was wir unter den neuen, individuelleren Anforderungen leisten können.
Ein Mindestlohn zieht die Mauern des blind gewordenen Arbeitsbegriffes nur höher. Er verabreicht eine Schmerztablette, statt zu Denken zu geben.

18 Juli 2006

"Stehen wir an einem Wendepunkt?"



Das Verlagsmagazin "a tempo" widmet sich immer wieder mit interessanten Beiträgen - zur Zukunft der Arbeit I-VII - Aspekten des Grundeinkommen.

In der aktuellen Juli Ausgabe kommt der emeritierte Volkswirt Prof. Dr Wolfgang Eichhorn in einem Interview zu Wort.

Link zum Interview

Lesenswert ist seine Sicht aufs Grundeinkommen als evolutionärer Prozess. Auf die Frage nach der Höhe eines schrittweise eingeführten Grundeinkommens antwortet er beispielweise:

"Letztlich ist die Höhe des endgültigen Grundeinkommens ein gesellschaftlich-politischer Aushandlungsprozess. Vielleicht würde der Endbetrag in etwa der Kaufkraft des derzeitigen durchschnittlichen Arbeitslosengeldes von 850 Euro entsprechen, vielleicht höher sein. Sicher wären die Löhne, die die Unternehmen zahlen, nicht so hoch wie heute, weil sie auf dem Grundeinkommen aufbauen, aber wenn es einen wirklich freien Arbeitsmarkt gibt, würden sich entsprechend der Nachfrage zusätzlich die verschiedenstenArbeitsmöglichkeiten entwickeln. Die Schattenwirtschaft würde mit ihrer marktwirtschaftlichen Prägung ins Licht der nichtkriminellen Wirtschaft treten. – Der finanzielle Anreiz für eine Arbeit scheint mir weiter gegeben. Man möchte etwas dazuverdienen zur besseren sozialen Absicherung oder für zusätzlichen Konsum, zumal damit auch oft die menschliche Kreativität geweckt wird und der Unternehmergeist. – Entscheidend ist aber, dass die Menschen Hoffnung hätten und freier wären für das, was sie aus eigenem Antrieb heraus wollen, insbesondere auch für mitmenschliche Tätigkeit. Aufgabe der Wirtschaft ist es, bei allem Effizienzdenken die Wohlfahrt aller, nicht nur den materiellen Wohlstand einiger zu mehren."

Bemerkenswert auch das Editorial von Jean-Claude Lin. Er kann für sich in Anspruch nehmen bereits im Dezember 2004 Götz Werner in "a tempo" ein Forum geboten zu haben. Seine aktuelle These lautet:

"Mit der Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens für jeden Bürger könnte Deutschland eine Pionierrolle in der Welt übernehmen."

16 Juli 2006

Micaela Sauber - Märchenerzählerin und Puppenspielerin


NEU auf grundeinkommen.tv

Die Märchenerzählerin Micaela Sauber, Initiatorin von "Erzähler ohne Grenzen", viele Jahre bei den Kindern in Bosnien, Barfuß durch Europa, Gründerin der "Phönix Initiative", auf die Frage, was sie denn machen würde, wenn sie ein Grundeinkommen bekäme.

NEU auf grundeinkommen.tv


Uni Frankfurt – 1

„Bedingungsloses Grundeinkommen als Antwort auf die Krise der Arbeitsgesellschaft“
Podiumsdiskussion mit


Prof. Dr. Ulrich Oevermann, Universität Frankfurt – Prof. Götz Werner, Universität Karlsruhe und dm Drogeriemarkt – Axel Jansen, Moderation – Prof. Dr. Philippe van Parijs, Université catholique de Louvain und Harvard University – Prof. Dr. Georg Vobrubar, Universität Leipzig.

NEU auf grundeinkommen.tv


Uni Frankfurt – 2

Podiumsdiskussion mit Ulrich Oevermann, Götz Werner, Philippe van Parijs, Georg Vobrubar
und Statements zum Grundeinkommen wie dieses:
„Es ist alles schon bezahlt. – Es ist eine Menschenbildfrage.“ (Götz Werner)


Foto: Philippe van Parijs

Die harten Fakten für die Verwirklichung eines bedingungslosen Grundeinkommens sind nicht äußere Bedingungen wie das angeblich knappe Geld, sondern es sind die Gewohnheiten und das Umdenken im Kopf und Herzen jedes Einzelnen.
„Alles, was produziert werden kann, kann auch bezahlt werden.“ Denn dafür ist das Geld da. Es ist da, damit die Waren getauscht werden können. Es entsteht mit der Ware. Wir leben von Waren, nicht von Geld. Wo genug Waren für alle produziert werden, ist auch genug Geld für alle da, um die Waren zu kaufen. Wenn nicht, läuft was falsch.

NEU auf grundeinkommen.tv


Uni Frankfurt - 3

Eine turbulente Ausführung von Götz Werner über das Geld der Kapitalanleger aus unseren Versicherungsbeiträgen, über die Ungewissheit der Zukunft und die Vorstellung: der Bettler hat ein Grundeinkommen.

NEU auf grundeinkommen.tv



Uni Frankfurt - 4

Ein Interview am Rande der Veranstaltung in Frankfurt mit einer Studentin aus Berlin über das Problem des Normativen des Grundeinkommens - und warum wir gesellschaftlich für Utopie halten, was unserem eigenen Menschenbild entspricht.