08 August 2006

Was würden Sie...



Seit 3-4 Monaten stellen wir diese Frage auf unserer Website, auf Postkarten und einzelnen Plakaten. Die Antworten die an uns zurückgelangen sind oft sehr interessant, zum teil rührig, mache berühren und können einen auch betroffen machen. Eine dieser Antworten stellen wir heute auf den NEWS BLOG:

"Auch ich gehöre zu denen, die nicht glauben, dass mit einem Grundeinkommen das allgemeine Faulenzen ausbrechen würde. Sicher würden sich manche eine Auszeit gönnen, die beruflich überlastet und gestresst sind. Aber danach hat man wieder Energie und möchte etwas tun! Nichtstun macht auf Dauer nicht glücklich. Arbeit hat etwas Befriedigendes. Sie ist Möglichkeit, die eigene Persönlichkeit auszudrücken und durch die Rückmeldung der Mitmenschen, die das Produkt meiner Arbeit konsumieren, ist sie auch Quelle der Selbstbestätigung und Anerkennung. Auf diese wunderbaren "Streicheleinheiten" will bestimmt keiner verzichten! Durch ein Grundeinkommen wäre uns erst mal viel Zwang, Druck und Belastung genommen. Jemand, der heute arbeitslos ist, schreibt hunderte von Bewerbungen, bietet sich an wie ein Stück Vieh und bekommt nirgends eine Chance. Und er denkt, er sei ein schlechter Mensch, wertlos für die Gesellschaft. Durch diese ständige Ablehnung liegen so viele Talente und Fähigkeiten brach, ein riesiges Potential wird hier einfach ignoriert.
Weit über seine beruflichen Qualifikationen hinaus, hat jeder Mensch noch zahlreiche andere Begabungen, die keine Berufsbezeichnung haben, die aber genauso sinn- und wertvoll sind und dadurch, dass das Grundeinkommen gesichert ist, könnten all diese Menschen endlich tätig werden, sich einbringen. Auch Menschen, die heute nur eingeschränkt erwerbsfähig sind, z. B. aus gesundheitlichen Gründen, wären dadurch produktiver, weil sie eine Menge anderer Fähigkeiten einbringen könnten, für die sich im derzeitigen System niemand interessiert. Wenn ich ein gesichertes Einkommen hätte, würde ich erst mal in die Natur hinaus gehen, tief durchatmen und sämtliche Zwänge abstreifen, besonders die Schuldgefühle, die einem von der Gesellschaft übergestülpt werden. Und danach würde ich richtig durchstarten. Mal zeigen, was in mir steckt! Und viel freudiger und glücklicher an alles herangehen als bisher! Warum sind manche arbeitsunwillig? - Weil die Bedingungen schon so unmenschlich geworden sind. Wird das wieder der menschlichen Leistungsfähigkeit angepasst, kann man wieder ohne Angst vor Kündigung oder anderen Repressionen arbeiten, wird man wieder viele für Erwerbstätigkeit gewinnen!"

Andrea Pirringer (*1971), mehrere abgeschlossenen Ausbildungen, Rosenheim

wir bedankten uns bei frau pirringer:

"liebe andrea pirringer
besten dank für ihre antwort - das haben sie alles sehr treffend beschrieben!
wir haben Ihre Antwort auf unsere website aufgenommen.
im herbst werden wir in basel eine grössere veranstaltungsreihe zum grundeinkommen organisieren.
sie sind dazu natürlich herzlich eingeladen!
mit besten grüssen
enno schmidt und daniel häni"

woraufhin sie uns schrieb:

"sehr geehrte herr häni und herr schmidt
vielen dank für das lob und die nette einladung. leider werde ich dieser nicht nachkommen können (ich würde gerne an vielen veranstaltungen teilnehmen), denn in unserem lande wird der druck auf die arbeitslose bevölkerung immer mehr erhöht. das gleicht schon fast einer ausgangssperre. die kontrollwut kennt keine grenzen. nun hört man auch vereinzelt stimmen, die den derzeit bestehenden urlaubsanspruch für arbeitslose abschaffen wollen. das gleicht immer mehr dem offenen vollzug. man darf zwar noch vor die tür gehen, aber der radius wird immer weiter eingeschränkt. so bin ich seit jahren nicht weiter als 70 km verreist. man muss einen antrag stellen, der nicht immer bewilligt wird. die bearbeitungszeit beträgt mindestens eine woche. und allein aufgrund der tatsache, dass man die courage hat, einen urlaubsantrag zu stellen, muss man mit diversen repressionen rechnen.
so grüsse ich Sie aus der ferne,
mit den besten wünschen
a. pirringer"

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1 Kommentar:

Christoph hat gesagt…

Die Schikane deutscher Behörden gegenüber Arbeitslosen oder HarzIV-Empfängern nimmt erschreckende Ausmaße an.