20 Dezember 2010

Interview mit Christian Müller bei Tink



Tolles Interview mit Christian Müller beim Online-Magazin tink.ch:

Eigentlich will man Einkommen, nicht Arbeitsplätze erhalten

Darin:

Tink: Es geht also auch um die Bewertung von Arbeit in unserer heutigen Gesellschaft. Bislang war es das Ziel aller Politiker, neue Arbeitsplätze zu schaffen. Götz Werner, deutscher Unternehmer und Befürworter des Grundeinkommens, entgegnet, es sei die Aufgabe der Wirtschaft, den Menschen von der Arbeit zu befreien. Ist es nun gut oder schlecht, wenn weniger gearbeitet wird?

Christian Müller: Es ist die Frage, welche Arbeit gemeint ist. Dank der fortschreitenden Technologisierung der Produktion werden die klassischen Arbeitsplätze im Fertigungsprozess abnehmen, das ist an sich eine gute Entwicklung. Die Arbeit, welche sonst anfällt, wird durch den Fortschritt überhaupt nicht verringert. Das ist Arbeit, die mit Menschen zu tun hat: Im Pflegebereich, in der Erziehung und Kinderbetreuung. Auch in der Landwirtschaft, bei Tierhaltung und Fleischproduktion finde ich es keine gute Entwicklung, wenn immer mehr rationalisiert wird. Es gibt viel Arbeit in diesen Bereichen, die heute nicht geleistet wird, weil niemand dafür zahlen will. Das Grundeinkommen subventioniert diese Arbeit und macht es den Menschen möglich, hier mehr Zeit zu investieren, was wünschenswert ist.

Jeder, der heute sagt, er wolle Arbeitsplätze erhalten, will eigentlich Löhne und Einkommen erhalten, das ist ein grosser Unterschied. Das Grundeinkommen will in erster Linie diese Einkommen sicher stellen, und nicht Arbeitsplätze.

1 Kommentar:

kahl hat gesagt…

Es gibt zu jedem Zeitpunkt unendlich viel Arbeit im Universum. Die Verkürzung des Begriffes Arbeit auf Erwerbsarbeit führt zum populären Denkirrtum. Jeder der versucht sich vorstellen, was passieren würde, wenn die Eins-Komma-x Milliarden arbeitslosen Erwerbsfähigen einer 'produktiven' - im marktwirtschaftlichen Sinne - Tätigkeit nachgehen würden, wird unvermeidlicher Weise zu dem Schluß kommen, dass dies in den irdischen Grenzen nicht machbar ist.
Das Problem liegt in der Personalisierung. Es ist nicht die Gier der Manager und Börsenheinis, auch wenn diese menschliche Eigenschaft überdurchschnittlich vorhanden sein muss, damit jemand diesen Weg einschlägt, die die weltweite Ausplünderung durch Zins und Zinseszins aufrecht erhält und all jenen die materiellen Grundlagen des Lebens verweigert, die nicht in Lage sind jemanden durch ihre Dasein reicher zu machen. Innerhalb der kapitalistischen Logik muss vernichtet werden, was nicht zu den Erstellungskosten verkauft werden kann, fragen sie jeden 'bürgerlichen' Ökonomen.
Dass die Gesellschaft als Ganzes kein profitables Unternehmen im betriebswirtschaftlichen Sinne sein kann, kommt den Anhängern der Thatcher-Maxime 'There is no such thing as society' nicht in den Sinn; sie müssten ihre Profession aufgeben. (Die Frage bleibt: Wovon war sie dann Prime Minister?)
Mittlerweile zahlen wir, die Weltbevölkerung, global mehr als christliche 10% an die Kapitalbesitzer. Was bleibt Verwaltern dieser Vermögen übrig, als es erneut zu verleihen?
Da immer mehr von der Auszahlung dieser Zinsen (Renten etc.) abhängig sind, stecken viele den Kopf in Sand und hoffen, der Kollaps wartet bis zu ihrem Ableben, obwohl mensch wissen kann, dass die Steuereinnahmen und Unternehmensgewinne mehrerer zukünftiger Jahre bereits 'verbraucht' (als Schuldentitel, sprich Geld, verteilt) wurden.
Man darf auch nicht hoffen, eine Regierung oder sonst wer von 'da oben' wird mit einem ernst zu nehmenden Vorschlag daher kommen. Der Versuch wäre das Ende der Karriere.
Der klingende Titel vom Ende der Geschichte könnte in ganz anderer Weise wahr werden, als der Autor und seine Apologeten es sich träumen lassen. Der letzten europäischen Hochkultur folgte eine 'geschichtslose Zeit'. Hoffen wir, wobei hoffen nicht reichen wird, aber ohne Hoffnung, ohne den Glauben es ist möglich, kann es nichts werden, hoffen wir, dass sich die Menschen ihres selbst gegebenen Names homo sapiens sapiens würdiger erweisen.

ps Tip zur Illustration
http://www.youtube.com/watch?v=73WSD612B54&feature=player_embedded#!
oder für Menschen mit Interesse
http://de.sevenload.com/videos/sKF2Dk1-Der-Geist-des-Geldes