30 Oktober 2008

Spinnt der, oder was?



In inside B - Magazin für Wirtschaft und Leben in Baden - interviewt die Chefredaktorin Doris Geiger die Prodagonisten der Initiative Grundeinkommen zur Idee des Grundeinkommens und aktuellen Zusammenhängen, z.B. der Finanzkrise:

inside B> Wäre bei der Entstehung der Immobilienblase gesundes Misstrauen angebracht gewesen?

Enno Schmidt> Man hat die Akteure am Finanzmarkt idealisiert und das dann „Vertrauen“ genannt, weil man hoffte, davon selbst profitieren zu können. Misstrauen in die Immobilienspekulationen und den Kreditehandel hätte es gar nicht gebraucht, sondern nur Verstand. Die Menschen sind anfällig für Märchen, wenn sie hoffen, sie selbst kämen als Goldmarie aus der Geschichte raus. Unsicher zu werden ist viel zu wenig. Im Film sagt Konstantin Adamopoulos (ein Kurator aus Köln, die Red.), der größte Bedarf heute bestünde an Vertrauen. Das war ein gutes halbes Jahr vor der jetzigen Krise. Was er meinte, ist aber nicht blindes Vertrauen, sondern Hinwendung. Wahrnehmung des Anderen und Vertrauen in ihn als Mensch. Damit wären wir beim Grundeinkommen.

inside B> Sorgt die Finanzkrise dafür, dass unsere Gesellschaft reifer wird für ein Grundeinkommen?

Daniel Häni> Die Zeit ist reif! Ich finde die Finanzkrise gar nicht so schlecht. Überhaupt sind Krisen positiv, wenn man den Sinn, der darin liegt, greifen kann. Den Sinn der aktuellen Finanzkrise sehe ich darin, zu lernen, sich nicht verunsichern und blenden zu lassen. In Wirklichkeit stehen ja die Häuser noch, deren falsche Bewertung man als Ausgangspunkt der Krise benennt. Ich will das Ganze ja nicht banalisieren, aber vielleicht sollten wir mal dafür sorgen, dass die Häuser wieder genutzt werden. Die Krise der Krise ist, dass wir uns verängstigen lassen, und das kann fatale Folgen haben. Keiner traut mehr dem andern, das Geld fließt nicht mehr. Anstatt Angst sollten die Menschen Geld haben.
Die unglaubliche Arroganz ist, dass nun aus Steuergeldern die Bankinstitute, die aufs falsche Pferd gesetzt haben, aufgepäppelt werden mit dem Vorwand, dass sonst alles zusammenbricht. Besser wäre, das Geld an die Menschen auszuzahlen.

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