15 August 2010

"In Amerika ist es eine Schande, reich zu sterben"





Götz Werner hat seinen Eigentumsanteil am dm Konzern in eine Stiftung überführt. In diese Stiftung fließen jetzt die Gewinne, die vorher Götz Werner zustanden.

Damit wird nun die deutsche Grundeinkommensbewegung finanziert? Nun ist ganz viel Geld da für alle, die etwas zum Grundeinkommen machen wollen, für Projekte und Selbstversuche?

Nun ist nicht mehr Geld da als vorher. Auch vorher schon war Götz Werner der Ansicht, dass Gewinne aus dem Konzern nicht in die private Tasche gehören und nicht da sind zur unaufhörlichen Geldvermehrung. `Die Ertragserzielung ist eine Aufgabe wie die Ertragswidmung.´ Auch vorher gab er einen Großteil des Gewinns in eine Stiftung. Doch nun ist auch der fälschliche Grund, warum man ihn Milliardär nannte, in eine Stiftung verschoben: das Eigentumsverhältnis zu Dingen, mit denen andere arbeiten. Kein Bares, sondern der geschätzte Geldwert all dessen, was an Maschinen, Gebäuden und anderen Dingen bei dm die Wertschöpfung ermöglichen und zu ihr beitragen.
Götz Werner wird durch diesen Schritt nicht ärmer oder reicher. Vorausgesetzt, man versteht ein Unternehmen nicht als Privatbesitz wie eine Ware, die man beliebig kaufen und verkaufen kann, sondern als Prozess, wo Menschen miteinander für andere etwas leisten, wo sie ihre Biographie einbringen und entfalten, wo Kunden ihr Vertrauen geben. Unverkäuflich. So ist es, so sieht Herr Werner das. Und ist zudem der Überzeugung, dass Kompetenz sich nicht vererbt, dass Führungspositionen im Unternehmen nicht aus Eigentumsverhältnissen resultieren dürfen.
Darum hat er die Übertragung seines Anteils an dm in die Gemeinnützigkeit bis vor den Bundesgerichtshof gebracht und durchgefochten gegen den zweiten Eigentümer von dm. Der war dagegen. Dessen Anteil ist so groß wie der von Herrn Werner. Der bleibt privat.

In der heutigen FAZ Sonntagszeitung wird Herr Werner interviewt. Georg Meck, der Fragende, spielt überzeugend den Advocatus Diaboli mit den ältesten Standardargumenten gegen das Grundeinkommen. In Wahrheit ist Meck bestens informiert und für das Grundeinkommen – weiß man intern. Werner nutzt die vorgelegten Standartsituationen für einige Kracher aufs Tor und probiert auch neue Spielzüge. Am Ende geht es ums Erben, um sieben notleidende Kinder und den amerikanischen Pioniergeist, dass mit einem Grundeinkommen jede Generation zeigen kann, was sie kann.

Kommentare:

Susanne Wiest hat gesagt…

Danke Enno, das ist erhellend!

Anonym hat gesagt…
Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.
Klemperer hat gesagt…

Daß Georg Meck für das bedingungslose Grundeinkommen ist, wußte ich nicht. Das dürften auch die meisten FAZ-LeserInnen kaum wissen - in seiner Zeitung gibt es allerdings auch mehrheitlich Gegner, wie etwa Heike Göbel und manche mehr, die die Hartz4-Leistungen für "viel zu hoch" halten.

Was mir an dem Interview von Götz Werner so gut gefällt, ist u.a., daß Georg Meck all diese Fragen stellt, und wie er sie stellt. Wenn man, wie Freunde und ich hier, seit Jahren immer wieder auf der Straße übers bge spricht, gibt es nämlich manche Gruppen. Die meisten, die in Deutschland yellow press lesen, kennen das bge nur ungenau oder gar nicht, und viele halten es für einen Traum. Die meisten, die wir in Szenevierteln in Berlin oder Hamburg fragen, kennen es, lehnen es aber in großen Mehrheiten "ironisch" ab; es "klingt zu uncool". Und dann gibt es eine dritte, noch nicht so große Gruppe, die sehr gut informiert ist, aber oft genau die Fragen stellt, die auch Georg Meck im Interview stellte. So schlagfertig und hervorragend wie Götz Werner die Antworten gelingen, ist das Interview eine wahre Pracht. Diese dritte Gruppe wird es mit Gewinn lesen! Und die erste auch, sofern wir es allen zeigen können.

Schön wäre, wenn es einmal eine Diskussion mit ausgewiesenen, aber medial gut vertretenen Gegnern des Grundeinkommens käme. Etwa mit dem Medienprofessor und Liebling der postmodernen Kulturszenen, Prof. Norbert Bolz, oder mit Peter Sloterdijk, der sich in der letzten "Zwangssteuer"-Debatte ja explizit gegen das Grundeinkommen ausgesprochen hatte.
Ich glaube, die Herren könnten von Götz Werner einiges lernen, und es gibt sogar einige wenige Übereinstimmungen zwischen den Positionen. Beide Seiten wollen etwa die Steuern für Unternehmen abschaffen (Bolz und Sloterdijk wollen natürlich keine Konsumsteuer). Nur werden Sloterdijk, Bolz etc. von einem veralteten Bild geleitet. Sie wittern quasi überall "die Frankfurter Schule" - die nun seit mindestens 20 Jahren eine kleine Außenseiterrolle spielt. Pauschal wird dieser Richtung eine zu große Liebe zu armen Menschen unterstellt, zuviel "Umverteilung". Sloterdijk und Bolz sorgen sich vor allem um die angeblich ausgebeuteten Reichen, und verharren letztlich im "wer nichts arbeitet, soll nichts essen"-Schema - ohne es zuzugeben, denn man muß wendig und ohne Angriffsfläche sein.
Götz Werner hat die gesamte Gesellschaft im Blick - und durchaus auch die Reichen. Ihn, eine herausragende Persönlichkeit, leitet nicht wie Sloterdijk letztlich Ressentiment, sondern Menschenliebe. Ähnlich wie auch Erich Fromm, der sich ab 1951 in USA schon für ein bedingungsloses Grundeinkommen eingesetzt hat, als es noch nicht einmal strukturelle Gründe dafür gab, wie heute. Götz Werner verfügt dazu über das wirtschaftliche Fachwissen, das Fromm nicht haben konnte.