Vortrag von Dr. Sascha Liebermann, Mitbegründer von „Freiheit statt Vollbeschäftigung“ und Soziologe (Bochum und Zürich). Mit anschliessender Diskussion, Moderation: Stefan Schöbi, Stv. Leiter Hochschulkommunikation, ZHdK
Forum – das offene ZHdK-Gespräch Theater der Künste, Bühne A, Gessnerallee 9, Zürich
„Alice im Wandelland“ ist Berlin. Alice in Basel, das ist im Steuerland. Wie Alice so ist, wandelt sich da aber auch etwas. Und was sollte das sein zu Weihnachten? – Genau. Das besinnlichste Thema zur Jahreszeit: wie das nämlich ist mit den Steuern in den Preisen, und dass Alice Grinda sie trägt. Wem das zu kompliziert ist, der kann sich an den Weihnachtsmann wenden.
Tink: Es geht also auch um die Bewertung von Arbeit in unserer heutigen Gesellschaft. Bislang war es das Ziel aller Politiker, neue Arbeitsplätze zu schaffen. Götz Werner, deutscher Unternehmer und Befürworter des Grundeinkommens, entgegnet, es sei die Aufgabe der Wirtschaft, den Menschen von der Arbeit zu befreien. Ist es nun gut oder schlecht, wenn weniger gearbeitet wird?
Christian Müller: Es ist die Frage, welche Arbeit gemeint ist. Dank der fortschreitenden Technologisierung der Produktion werden die klassischen Arbeitsplätze im Fertigungsprozess abnehmen, das ist an sich eine gute Entwicklung. Die Arbeit, welche sonst anfällt, wird durch den Fortschritt überhaupt nicht verringert. Das ist Arbeit, die mit Menschen zu tun hat: Im Pflegebereich, in der Erziehung und Kinderbetreuung. Auch in der Landwirtschaft, bei Tierhaltung und Fleischproduktion finde ich es keine gute Entwicklung, wenn immer mehr rationalisiert wird. Es gibt viel Arbeit in diesen Bereichen, die heute nicht geleistet wird, weil niemand dafür zahlen will. Das Grundeinkommen subventioniert diese Arbeit und macht es den Menschen möglich, hier mehr Zeit zu investieren, was wünschenswert ist.
Jeder, der heute sagt, er wolle Arbeitsplätze erhalten, will eigentlich Löhne und Einkommen erhalten, das ist ein grosser Unterschied. Das Grundeinkommen will in erster Linie diese Einkommen sicher stellen, und nicht Arbeitsplätze.
Ein bemerkenswerter Artikel von Julia Krättli in der Zeitung STUDIVERSUM der Schweizer Hochschulen.
Ausschnitt aus dem Text: Paul setzt sich mit einem Buch in der Hand an einen Tisch im Kaffeehaus und bestellt an der Theke einen Cappuccino. Um diesen zu erhalten, hat er weder Kaffee angepflanzt, noch Kaffeebohnen gepflückt, er hatte nichts mit der Röstung zu tun, Kühe hat er ebenfalls nicht gemolken und die Kaffeemaschine bedient hier auch jemand anderes. Paul lebt wie wir alle von der Leistung anderer. Das ist nicht weiter schlimm, denn er bezahlt in diesem Falle diese Leistung. Vom Geld, das er für seinen Capuccino zahlt, bezahlt der Besitzer des Kaffeehauses unter anderem den Lohn seiner Angestellten und diese wiederum zahlen damit die Sozialabgaben und ihre Einkommenssteuern. Denkt man sich das rückwärts, zahlt also eigentlich Paul die Steuern des Angestellten (und auch die des Besitzers). Wenn Steuern also heute bereits im Produktpreis enthalten sind, warum soll dann derjenige, der leistet, Steuern bezahlen und nicht derjenige, der konsumiert? Für die Finanzierung des Grundeinkommens gehen die Basler Initianten denn auch von einer Besteuerung des Konsums durch eine Mehrwertsteuer aus. Denn unabhängig von ihrem Arbeitsverhalten, werden die Menschen auch in Zukunft noch konsumieren wollen. Verschiedene Studien bestätigen, dass eine solche Finanzierung funktionieren könnte.
Die beiden traditionsreichsten deutschsprachigen Zeitungen NZZ und FAZ widmen sich prominent dem bedingungslosen Grundeinkommen.
Im ganzseitigen Beitrag von Claudia Wirz in der NZZ kommt neben Daniel Häni (Initiative Grundeinkommen): "Eine Gesellschaft mit bedingungslosem Grundeinkommen wäre, liberaler, sozialer und ökologischer" und Walter Schmid (Präsident der Schweizerischenen Konferenz für Sozialhilfe und Rektor der Hochschule für soziale Arbeit): "Die Idee des Grundeinkommens ist eine Art gesellschaftspolitisches Turngerät", vorallem Reiner Eichberger (Ökonom und Professor für Finanzwissenschaft an der Universität Freiburg) zu Wort: Herrn Eichenberger gelingt es durch einige wenige kernige Statements die Idee des bedingungslosen Grundeinkommen in ihr Gegenteil zu drehen und gipfelt in der Aussage: "Ein Grundeinkommen führt zur Knechtschaft und nicht in die Freiheit." Das ist natürlich zimlich krass und irgendwie verunsichernd, wenn man nicht bedenkt, dass alte Systeme, wenn sie an ihr Ende kommen, meistens noch solche oder ähnliche Blüten treiben.
Anders in der FAZ, da bringt der Reporter Frank Pergande durch die Begegnung mit Susanne Wiest einiges von dem neuen Geist zum blühen und in den Bereich einer lebendigen Vorstellung der Potenz der Idee des bedingungslosen Grundeinkommens. Sein Artkel gipfelt in der Bildunterschirft: "Statt Papierbergen ein Gesicht und eine Idee."
Lesen Sie selbst und schreiben sie uns ihre Meinung:
In Teil 3 der Fragen an Daniel Häni geht es "vom Sollen zum Wollen" über Vertrauen und Investition zur Aussicht auf eine Volksinitiative zum bedingungslosen Grundeinkommen in der Schweiz.
Weitere kurze Filme mit Persönlichkeiten und Positionen zum Grundeinkommen werden folgen. Mit dieser Reihe wollen wir den Blick in die Schweiz richten.
«Eine wirklich gute Idee erkennt man daran, dass ihre Verwirklichung von vornherein ausgeschlossen erschien.» Albert Einstein
Aktuell Grundeinkommens Gruppen in der Schweiz:
In Zürich am 30. November ab 18.00 jeden letzten Tag im Monat im Cafe Gloria (Josephstrasse 59) In Luzern am 1. Dezmber ab 19.30 jeden ersten Tag im Monat im "G7" (Güterstrasse 7)
Der Beitrag der "Rundschau" im Schweizer Fernsehen zur Anhörung der Grundeinkommens-Petition von Susanne Wiest im Bundestag wurde von 3sat aufgegriffen und mit einem Studiogespräch ergänzt. Daniel Häni war Gast bei Wasiliki Goutziomitros in der Sendung "SCHWEIZWEIT".
"Was würden Sie arbeiten, wenn für Ihr Einkommen gesorgt wäre? fragt die Initiative Grundeinkommen für alle. Eine Initiative, die fordert, dass der Staat jedem Schweizer monatlich 1500 Euro bedingungslos ausbezahlt. Reine Utopie oder Ei des Kolumbus?
Daniel Häni ist diese Woche Studiogast bei Wasiliki Goutziomitros."
Teil 2 der Fragen an Daniel Häni führt das Gespräch am Rhein weiter. Einige Jugendliche kommen vorbei, eine Mitarbeiterin des "unternehmen mitte" kommt zufällig des Wegs.
Was interessiert mich wirklich? Die Gesellschaft in der Pubertät, das schwarze Loch ... und der ökologische Aspekt des Grundeinkommens.
Alice Grinda ist eine junge, begabte und eigensinnige Künstlerin aus Berlin und Repräsentantin der Grundeinkommensbewegung. Hier einige Ausschnitte aus dem Portrait in der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung: "Wenn man Alices Schulleistungen zugrunde legt, dann hat die junge Frau ein grosses Talent für Mathematik und Physik. 'Ich mag Sachen, die logisch sind'. Sie hat ein Herz für diese Disziplinen, sagt aber selbst, sie sei zu unbeständig für die Studiengänge."
"Wenn Götz Werner Vordenker und Finanzier vieler Aktivitäten der Bewegung ist, dann ist Alice Grinda mit ihrem Wasserstoffblond und den runden blauen Augen deren auffälligstes Gesicht."
"Alice Grinda ist klug genug zu erkennen, dass man auch ein freies Leben einüben muss. Manchmal träumt sie davon, ein Serienstar zu werden. Das würde sie nicht ausschlagen. Als Star könnte sie der Idee des bedingungslosen Grundeinkommen Flügel verleihen."
Podiumsgespräch an der ETH Zürich Dienstag, 23. November, 19.30 Uhr, Rämistrasse 101, Hörsaal HG E3
Mit dem bedingungslosen Grundeinkommen vollzieht die Gesellschaft einen echten Modernisierungsschritt, einen tief greifenden Paradigmenwechsel: Die Menschen werden erstmals als freie, autonome, souveräne Individuen auf eigene Füsse gestellt. Von nun an haben sie die freie Wahl, wie sie ihr Leben einrichten wollen, ob sie arbeiten wollen (das wird bei der überwiegenden Mehrheit der Fall sein), vor allem aber, was und zu welchen Bedingungen sie arbeiten wollen.
Ist es finanzierbar? Werden die Menschen weiterhin arbeiten? Ist das Grundeinkommen ein demokratisches Instrument? Diese und weitere Fragen stehen zur Debatte.
Auf dem Podium: Daniel Häni, Initiative Grundeinkommen, Basel Philipp Löpfe, Journalist, Zürich Christian Müller, Agentur mit Grundeinkommen, Zürich Katharina Prelicz-Huber, Nationalrätin, Zürich Prof. em. Dr. Peter Ulrich, HSG, St. Gallen Prof. Dr. Theo Wehner, ETHZ, Zürich
Das Thema bedingungsloses Grundeinkommen wird erstmals vom Schweizer Fernsehen in der Rundschau thematisiert.
Der Titel "Lohn ohne Arbeit" ist leider daneben gegriffen. Das Grundeinkommen ist - eben gerade - kein Lohn, sondern ein Bürgerrecht. Ein wirtschaftliches Bürgerrecht. Jemand hat auf Facebook zu recht kommentiert: "Lohn ohne Arbeit". Ist das eine Sendung über Aktien-Besitzer?
Der Aufhänger "Armutskonferenz" berrührt nur einen Aspekt des bedingungslosen Grundeinkommens, denn eine Gesellschaft mit bedingungslosem Grundeinkommen wäre nicht nur sozialer (SP), sondern auch liberaler (FDP), ökologischer (Grüne), christlicher (CVP) und demokratischer, und emazipatorischer, familienfreundlicher und vielleicht auch ein bisschen humorvoller und poetischer.
Die Anhörung im Deutschen Bundestag war übrigens in meinen Augen ein grosser Erfolg. Susanne Wiest hat durch ihre wahrhaftige, freundliche und klare Art den anwesenden PolitikerInnen und Regierungsvertretern ein wenig den Kopf lüften können und mindestens für einen Moment etwas Leichtes, Grosszügiges und in Zukunftblickendes in die Hallen des politschen Alltags gebracht. Über die Parteigrenzen hinweg hat sie mit ihrem sachlichen Humor für einiges herzhaftes Schmunzeln und Durchatmen gesorgt. (Der im Beitrag interviewte Herr Kauder, war da eher die Ausnahme)
Und ich glaube, das ist erst der Anfang. Die Idee des bedingungslosen Grundeinkommen erlebe ich als Pflanze, die wächst. Ihre Grösse ist erst ahnbar. Ich freue mich auf Weiteres.
(Dass ich nicht der Erfinder der Idee bin, ist ja wohl klar.)
Noch mal Sonne. Der Herbst vollendet den Sommer mit gütigen Tagen. Da haben wir uns aufgemacht an den Rhein für ein paar Worte, die wir noch nicht wussten. Wo steht die Grundeinkommensbewegung jetzt? Vielleicht weniger bei den Argumenten, die man schon alle gehört hat, und mehr bei den Menschen. Wie die sie selbst sind mit der Idee des Grundeinkommens. Da hat man noch nicht alles gehört.
Wir starten mit einem ersten Teil, dem zwei weitere folgen werden. Fragen an Daniel Häni (II) + (III)
Der Delegierten-Kongress vom 30. Oktober 2010 der Gewerkschaft Syna (65'000 Mitglieder) hat sich mehrheitlich dafür entschlossen "die Vision eines bedingungslosen Grundeinkommens auch in Zukunft zu verfolgen. Syna ist mit diesem Entscheid die erste Gewerkschaft der Schweiz, die bereit ist, den Wert der Arbeit neu zu definieren."
Enno Schmidt wird am diejährigen Perspektiva-Kongress an der Messe Basel die Idee des bedingungslosen Grundeinkommen Vorstellen und diskutieren: ZUVIELISATION - Wieviel weniger ist mehr?
"Blüh, blüh, blüh!" Susanne Wiest beeindruckt immer wieder durch ihre unverstellten Art, mit der sie das Wesentliche trifft, weil sie sich frei hält von der Kompliziertheit und Korruption, wie man was wahrzunehmen und zu denken hätte. Es geht auch so, wie man selber ist, und anders eigentlich gar nicht. Drei Monate vor der Anhörung ihrer Petition zum Grundeinkommen vor dem Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages besuchte sie uns mit ihrem Sohn Joschua in Basel. Aus den Gesprächen haben wir einen kurzen Film zusammengeschnitten. Dabei ging es uns um ein Empfinden der Art, wie Susanne Wiest ist und sich damit für eine Idee einsetzt, weniger um noch mehr Argumente. Und weil Susanne Wiest beileibe nicht die einzige ist, die für die Idee steht, mochten wir nicht darauf verzichten, einige wenige der Vielen, die sich in eigener Art für ein Grundeinkommen einsetzen, mit auftreten zu lassen.
«Alle Umfragen sagen, dass Glück und Zufriedenheit etwa Ende der Sechziger Jahre ihr Maximum erreicht haben und seitdem verharren. Nun hat sich das Bruttoinlandprodukt in Deutschland seit Ende der Sechziger Jahre verdreifacht. Aber das Glück hat nicht zugenommen.» Richard David Precht am vergangenen Dienstag im Literaturclub, SF DRS In diesem Sinn laden wir zum Gazosa[mit]Grundeinkommen N°5 ein:
Sonntag, 31. Oktober, ab 20 Uhr Café Gloria in Zürich.