05 Oktober 2010

Revenu de Base - Film auf Französisch



Neu gibt es den Film "Grundeinkommen - ein Kulturimpuls" (DVD 100min) von Daniel Häni und Enno Schmidt in einer französisch synchronisierten Fassung:

Revenu de Base

Auf der Seite des Kultkino Basel haben Sie die Möglichkeit den Film kostenlos zu sehen oder runterzuladen. Kultukino bietet zudem an, den Film als DVD online zu bestellen.

Weiter Übersetzungen (Untertitel) finden sie bei dotsub.com:
Trailer (in 16 Sprachen)
Film (in 9 Sprachen)

Für die französischsprachige Korrespondenz empfehlen wir die Seite von BIEN oder den Blog www.revenu-de-base.org

Möchten sie den Film auf Ihrer Webseite einbinden? HIER finden sie den entsprechenden Embed-Code.

22 September 2010

Die Zürcher-SP Diskussion als MP3

Bedingungsloses Grundeinkommen für alle?

Podiumsveranstaltung der SP-Zürich vom 21. September 2010 im Volkshaus.
u.a. mit Andreas Gross, Sascha Liebermann und Katharina Prelicz-Huber.

Diskussion hören als MP3-Stream

20 September 2010

Initiative Grundeinkommen - Newsletter Herbst 2010



Die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens bildet sich aus. Manchmal prominent, oft im Kleinen. Am 8. November erstmals auf einer veritablen Bühne des öffentlich-rechtlichen Lebens. Es kommt zur Anhörung der Grundeinkommenspetition von Susanne Wiest im Deutschen Bundestag. Eine Petition hat zwar noch keine rechtliche Verbindlichkeit, aber sie ist ein Seismograph für Zukunft, macht sichtbar, erlebbar und in grösserem Rahmen besprechbar. Die Anhörung fällt auf den Vortag des 21. Jahrestages des Berliner-Mauerfalls. Gutes Omen? Jetzt geht es um die Mauer in den Köpfen.
Wir sind gespannt auf die kommenden Ereignisse.

Hier der Newsletter als PDF
Mit ausgewählten Grundeinkommens-Highlights und Terminen

19 September 2010

Blick und SonntagsZeitung thematisieren das Grundeinkommen

In der SonntagsZeitung
Ein nüchternes, blickerweiterndes, sachliches Interview mit Götz Werner:
«Das ist Unsinn. Arbeit muss man erledigen, nicht sichern»
Von Philip Löpfe

Im Blick
Ein reisserischer, blickverdrehender, unsachlicher Bericht:
"Wird man wirklich für 12.60 Franken am Tag satt?"
Von Werner Vontobel

Zum Verständnis von Zahlen zum Grundeinkommen:
Das Grundeinkommen würde in der Regel die bestehenden Einkommen in seiner Höhe ersetzen. Wer z.B. heute 6000 Franken verdient, würde mit einem Grundeinkommen von z.B. 2200 Franken dann im Prinzip noch 3800 Franken durch seine Arbeit verdienen. Mit dem Grundeinkommen hätte er das gleiche Einkommen insgesamt wie vorher. Es geht nicht um mehr Geld. Nur wer heute weniger hat, als das Grundeinkommen, hätte dann mehr. Wer also heute nur 2000 Franken erhält aus Sozialleistungen oder Erwerbsarbeit, hätte dann mit dem Grundeinkommen von 2200 Franken mehr als jetzt. Das ist wichtig zum Verstehen der Idee. Das Grundeinkommen würde in die bestehenden Einkommen hineinwachsen. Wie hoch die Erwerbseinkommen dann tatsächlich sind, ist eine Verhandlungssache. Im Prinzip aber sinken sie um die Höhe des Grundeinkommens. Das Wesentliche aber ist: in der Höhe des lebensnotwendigen ist ein Einkommen bedingungslos. Das ist das Grundeinkommen.
Es ist keine Geldvermehrung, sondern vermehrt die persönliche Entscheidungsfreiheit. Oder anders gesagt: es verringert die Abhängigkeiten. Wenn jeder aus demokratischem Beschluss über ein existenzsicherndes Einkommen ohne Zwang und Bevormundung verfügen kann, dann wird sich einiges verändern.
Im Niedriglohnbereich müsste sich die Wertschätzung der Arbeit ihrem tatsächlichen Wert anpassen und bessere Löhne gezahlt werden, weil niemand mehr mit seiner Existenz zu erpressen wäre, Arbeit zu jedem Preis anzunehmen. Ob in den Unternehmen, in der Politik, in der Kultur, in der Ökologie und im Privaten, überall würde sich einiges bewegen dadurch. Was das sein könnte? Überlegt man sich das selbst. Dann merkt man schon, wie viel Freude ein Grundeinkommen machen und wie viele neue Ideen und längst gewünschte Lösungen einem da aufgehen. Und darum geht es: Was würde sich ändern in Arbeit und Leben, wenn ich mehr selber entscheiden kann, was ich wirklich will, und wenn ich das zumindest in den Grundzügen vom Geld her auch tun kann?

Nun hätte man dafür gerne Zahlen. Aber die machen erst Sinn und ernähren erst, wenn man die Gründe und den Grundgedanken der Idee verstanden hat. Ansonsten isst man Zahlensalat wie Zahnrädchen. Das klappert im Magen nur und macht nicht satt.

Zu den Zahlen in der Schweiz:

Ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle (angenommen Erwachsene 2200.- und Kinder 1000.- p.m.) ergibt eine Summe von 180 Mrd., rund 1/3 des Bruttoinlandproduktes von 540 Mrd.
Nun ist die Frage, in welchen Bereichen und in welcher Höhe das Grundeinkommen die bestehenden Einkommen ersetzen würde? Oder anders gefragt: wieviel der Gesamtransfersumme von 180 Mrd. wäre noch nicht und deshalb zusätzlich zu finanzieren?

Wir unterscheiden dabei 2 Bereiche:

1. Wie viel würde das Grundeinkommen von den heute bestehenden stattlichen Transferleistungen in Höhe von133 Mrd. ersetzen? Nur rund 50 Milliarden! Denn einen großen Teil der heutigen Transferleistungen könnte das Grundeinkommen nicht ersetzen. Die Pensionsansprüche, alle gesundheitlichen Transferzahlungen sowie Beträge, die über die Höhe des Grundeinkommens hinaus liegen, beispielsweise der Betrag der Arbeitslosenzahlungen, der mehr als das Grundeinkommen ist, würden nicht ersetzt.
2. Wie viel würde das Grundeinkommen von den bestehenden Erwerbseinkommen ersetzen? Es gibt dabei 3 Kategorien.
a) Bei Erwerbseinkommen über 52'000.- p.a. würde das Grundeinkommen in den meisten Fällen ganz ersetzend wirken. Das ist bei ca. 3 Mio. Erwerbstätigen der Fall und ergibt eine Summe von 79 Mrd.
b) Bei Erwerbseinkommen unter 52'000.- p.a. rechnen wir damit, dass das Grundeinkommen nur etwa zur Hälfte ersetzend wirkt. Das ist bei 1.3 Mio. Erwerbstätigen der Fall und ergibt eine Summe von 17 Mrd.
c) Bei Kinder und Jugendlichen rechnen wir ebenfalls damit, dass das Grundeinkommen nur rund zur Hälfte ersetzend sein wird. Das ergibt eine Summe von 9 Mrd.

Jetzt können wir rechnen:
180 Mrd. Transfervolumen Grundeinkommen
50 Mrd. ersetzend bei den bestehenden staatlichen Transferleistungen
79 Mrd. ersetzende in den normalen und hohen Erwerbseinkommen
17 Mrd. ersetzende in den niedrigen Erwerbseinkommen
9 Mrd. ersetzend bei Kinder und Jugendlichen



Es bleibt übrig eine Summe von rund 25 Mrd.!
Das sind 5% des Bruttoinlandproduktes.
Wir sagen - ich glaube mit gutem Grund - das ist machbar!
Aber nur wenn man will. Und wollen muss man mehr Entscheidungsfreiheit für den Einzelnen. Wer das nicht will, es sich gar nicht erst vorstellen mag, der sagt, es sei eine Utopie. Vielleicht eine sympathische Vision, aber leider, leider könne man das nicht finanzieren. Oder er bereitet einen Zahlensalat zu, bei dem es 12,60 Franken pro Mensch und Tag zum Essen gibt.


Daniel Häni

Schreiben Sie uns Ihre Meinung und Kommentare!

09 September 2010

Gespräche über Morgen




In Hamburg im Kulturzentrum Kampnagel (Deutschlands größte freie Spiel- und Produktionsstätte) starten am 23. September die "Gespräche über Morgen".

Donnerstag, 23. September, 19.00
KAPITALISMUS und GRUNDEINKOMMEN
Im Gespräch:
Wolfgang Engler, Soziologe
Gabriele Fischer, Cherfradaktorin brand eins
Daniel Häni, Unternehmer
Amelie Deuflhardt, Kampnagel-Intendatin

Freitag, 15. Oktober, ab 15.00
ARBEIT und GRUNDEINKOMMEN
Im Gespräch:
Susanne Wiest, Grundeinkommen im Bundestag
Katja Kipping, MdB die Linke
Adrienne Goehler, Autorin (1000 Euro für Jeden)
Christian Rickens, Journalist und Schriftsteller
Ingrid Hohenleitner, Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut
Kerstin Möller, Evangelische Frauen in Deutschland
Prof. Dr. Thomas Hut, Ökonom der Universität Lüneburg
Dr. Jürgen Herrmann, Evangelische Akademie der Nordelbischen Kirche
Prof.Dr. Kirsten Baumann, Museum der Arbeit Hamburg
Wolfgang Rose, Verdi

Samstag, 16. Oktober, ab 13.00
MENSCHEN und GRUNDEINKOMMEN
Im Gespräch:
Prof. Götz W. Werner, Unternehmer
Wolfgang Strengmann-Kuhn, MdB Bündnis90/Die Grünen
Sascha Liebermann, Soziologe
Ska Keller, Europaabgeordnete der Grünen
Torsten Meiners, Hinz & Künztler
Ute Fischer, Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlerin
Reinhard Kahl, Journalist und Bildungsreformer
Wladimir Kaminer, Autor & DJ
Dorothee Schulte-Basta, Autorin

Flyer als PDF

06 September 2010

"Lob der Knappheit"







Bilder von oben:
Dr. Rainer Hank, Ressortleiter Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung
Gemälde "Schlaraffenland", 1567, von Pieter Bruegel
Götz Werner, Unternehmer, legt ab zum Rudern


Konfrontation. Hörenswert.

Nicht oft wird die Struktur so deutlich, die als ehernes Gerüst in aller Auffassung gegen das Grundeinkommen steht.
Verführerisch sei die Idee des Grundeinkommens, sagt Rainer Hank. Doch wenn schon, ist die Gedankenführung seiner Vorstellungswelt das auch. Und hat schon viel mehr verführt. Immer mit dem Anspruch, dem nahe zu sein, wie die Realität nun einmal wirklich ist. Und sowieso und fraglos auch schon immer war. Ganz unbesehen, wie es für Millionen von Menschen heute im wirklichen Leben ist. Von Zukunft gar nicht erst zu sprechen.
Doch gelingt Rainer Hank das Auftreiben der Matrix gegen das bedingungslose Grundeinkommen in diesem Streitgespräch so krass, dass es vielleicht weniger um den unmittelbaren Widerspruch geht als darum, dies als ein Grundlagenwerk zum Verstehen der strukturellen Gegnerschaft zu nehmen.

Zu diesem Zweck stellen wir hier das Gespräch als redigierte Abschrift zur Verfügung.

Grundlegendes zum Verständnis der Gegnerschaft


Die Tonaufnahme des Gespräches finden Sie hier: Brüderlichkeit und Grundeinkommen; wie funktioniert heute Solidarität?

Interview mit Daniel Häni & Enno Schmidt in München

Interview Daniel Häni & Enno Schmidt from Grundeinkommen München on Vimeo.

04 September 2010

Da capo: im Gespräch




Als im Herbst 2009 an verschiedenen Universitäten weltweit die Studenten auf die Barrikaden gingen, hing im Ausgangspunkt der Revolte, in der Universität zu Wien, ein Transparent mit dem Satz: "Was würden Sie arbeiten, wenn für Ihr Einkommen gesorgt wäre?" Den Satz pflegt Daniel Häni schon lange sich und anderen als Frage zu stellen. Nun war er Auslöser für Michael Kerbler, Daniel Häni im Rahmen der GLOBArt Academy in Wien zum Radiointerview zu bitten.

Hier ist es zu hören: Da capo: im Gespräch

Und es gab noch einen aktuellen Anlass: in Österreich wird ab September 2010 die Mindestsicherung eingeführt. Kein alleinstehender Erwachsener soll unter ein Gesamteinkommen von 744 Euro rutschen. Für Kinder beträgt die Mindestsicherung 134 Euro. Davon muss alles bezahlt werden. Nur die obligatorische Krankenversicherung wird noch oben drauf spendiert. Voraussetzung: bedingungslose Jobwilligkeit. Von 744 Euro kann keiner lange leben. Soll er oder sie auch nicht.
Bedingungslose 1500 Euro für jeden als Grundeinkommen, das klingt schon anders.
"Aber", fragt Michael Kerbler, "warum, Lieber Herr Häni, frage ich mich, soll ich noch arbeiten, wenn ich 1500 Euro Grundeinkommen habe?"
"Und? Was ist Ihre Antwort?" erwidert Herr Häni. "Ich kann die Frage nicht für Sie beantworten. Ich möchte, dass jeder sie sich selbst beantwortet."
Dumm findet Herr Häni es, wenn man den Leuten nur maximal 744 Euro zugesteht, so dass sie ständig das Geld im Kopf haben müssen, in ihrer Aktivität behindert sind, Junk-Produkte kaufen müssen, kein Geld da ist für qualitativen Konsum. Denn: produziert werden kann genug.

Das Grundeinkommen, gesteht Herr Kerbler, sei für das Gedankengebäude der Mindestsicherung ein Brecheisen. Das Grundeinkommen, sagt Häni, fordert auf, den Begriff der Arbeit wieder freizuschaufeln – was auch schon Arbeit sei. Arbeit, die nicht unbedingt mit Lohn gekoppelt ist. "Wir müssten eine Kultur neu erfinden, wo es um Sinnmaximierung geht."
Was sich mit dem Grundeinkommen in den Unternehmen ändern würde, erklärt der Unternehmer Häni, wie sich die Altersvorsorge entspannen würde und damit auch die Geldanlage in Fonds, die zu Finanzkrisen führen.
Und die Finanzierung des Grundeinkommens? Die Konsumsteuer? Umverteilung? Die Reichen, die Armen? Seit 100 Jahren, sagt Daniel Häni, versuche man eine Gerechtigkeit herzustellen durch progressive Ertragsbesteuerung. Doch die Schere zwischen Reich und Arm gehe immer weiter auf. Zudem sei es eine Illusion zu meinen, Unternehmen zahlten Steuern, Angestellte und Selbständige zahlten Steuern. Alle Steuern sind in die Preise eingerechnet. Daher kommt das Geld. Schon heute trägt alle Steuer immer der Konsument.
Letzte Frage: " Worauf, Herr Häni, kommt es im Leben wirklich an?"
D. Häni: "Dass man tut, was man wirklich will."

30 August 2010

Podium zum Grundeinkommen in Zürich



Was Zürich braucht?
Bei einer Umfrage der Sozialdemokaratischen Partei der Stadt Zürich im letzten Winter schwang der Vorschlag eines bedingungslosen Grundeinkommens oben auf.

Am 21. September um 19.30 findet nun im Volkshaus eine öffentliche Podiumsveranstaltung statt mit folgenden TeilnehmerInnen:

Katharina Prelicz-Huber, Nationalrätin Grüne
Martin Waser, Stadtrat Zürich, Vorsteher Sozialdepartement
Andreas Gross, Nationalrat SP
Peter A. Schmid, Philosoph
Sascha Liebermann, Soziologe, „Initiative Freiheit statt Vollbeschäftigung“
Raffael Jacomella, Initiant

Nähere Informationen dazu finden Sie hier:
Podium zum Thema Grundeinkommen

25 August 2010

Gespräche zum Grundeinkommen in Zürich



Nach den gelungenen beiden Runden vor der Sommerpause haben Christian Müller und Daniel Straub entschlossen, das "Gazosa[mit]Grundeinkommen" als freies Diskussionstreffen weiterzuführen:

Herzliche Einladung zum Gazosa[mit]Grundeinkommen N°3, das am Dienstag, 31. August, ab 20 Uhr wiederum im Café Gloria in Zürich stattfindet.

Neben der vielfältigen Kommunikation in den elektronischen Kanälen schätzen wir den direkten Austausch und das gute Gespräch am Beizentisch sehr. Der Grundeinkommens-Treff steht allen offen, die am Thema interessiert sind. Ohne vorgegebenes Programm besprechen wir offene Fragen zum Grundeinkommen und diskutieren über eine mögliche Umsetzung in der Schweiz.

15 August 2010

"In Amerika ist es eine Schande, reich zu sterben"





Götz Werner hat seinen Eigentumsanteil am dm Konzern in eine Stiftung überführt. In diese Stiftung fließen jetzt die Gewinne, die vorher Götz Werner zustanden.

Damit wird nun die deutsche Grundeinkommensbewegung finanziert? Nun ist ganz viel Geld da für alle, die etwas zum Grundeinkommen machen wollen, für Projekte und Selbstversuche?

Nun ist nicht mehr Geld da als vorher. Auch vorher schon war Götz Werner der Ansicht, dass Gewinne aus dem Konzern nicht in die private Tasche gehören und nicht da sind zur unaufhörlichen Geldvermehrung. `Die Ertragserzielung ist eine Aufgabe wie die Ertragswidmung.´ Auch vorher gab er einen Großteil des Gewinns in eine Stiftung. Doch nun ist auch der fälschliche Grund, warum man ihn Milliardär nannte, in eine Stiftung verschoben: das Eigentumsverhältnis zu Dingen, mit denen andere arbeiten. Kein Bares, sondern der geschätzte Geldwert all dessen, was an Maschinen, Gebäuden und anderen Dingen bei dm die Wertschöpfung ermöglichen und zu ihr beitragen.
Götz Werner wird durch diesen Schritt nicht ärmer oder reicher. Vorausgesetzt, man versteht ein Unternehmen nicht als Privatbesitz wie eine Ware, die man beliebig kaufen und verkaufen kann, sondern als Prozess, wo Menschen miteinander für andere etwas leisten, wo sie ihre Biographie einbringen und entfalten, wo Kunden ihr Vertrauen geben. Unverkäuflich. So ist es, so sieht Herr Werner das. Und ist zudem der Überzeugung, dass Kompetenz sich nicht vererbt, dass Führungspositionen im Unternehmen nicht aus Eigentumsverhältnissen resultieren dürfen.
Darum hat er die Übertragung seines Anteils an dm in die Gemeinnützigkeit bis vor den Bundesgerichtshof gebracht und durchgefochten gegen den zweiten Eigentümer von dm. Der war dagegen. Dessen Anteil ist so groß wie der von Herrn Werner. Der bleibt privat.

In der heutigen FAZ Sonntagszeitung wird Herr Werner interviewt. Georg Meck, der Fragende, spielt überzeugend den Advocatus Diaboli mit den ältesten Standardargumenten gegen das Grundeinkommen. In Wahrheit ist Meck bestens informiert und für das Grundeinkommen – weiß man intern. Werner nutzt die vorgelegten Standartsituationen für einige Kracher aufs Tor und probiert auch neue Spielzüge. Am Ende geht es ums Erben, um sieben notleidende Kinder und den amerikanischen Pioniergeist, dass mit einem Grundeinkommen jede Generation zeigen kann, was sie kann.

13 August 2010

1000 Euro für Jeden



Ein weiterer Meilenstein in der Grundeinkommensbewegung: Zwei ausserordentliche und prominente Persönlichkeiten tun sich zusammen und schreiben ein umfassendes Buch zum bedingungslosen Grundeinkommen! Erschienen am 13. August 2010 im Econ Verlag.

Adrienne Goehler, freie Kuratorin, ehem. Kultur und Wissenschaftssenatorin in Berlin und Hochschulpräsidentin in Hamburg. (Verflüssigungen, Wege und Umwege vom Sozialstaat zur Kulturgesellschaft, Campus, 2006)

Götz Werner, Gründer und Aufsichtsratsmitglied der dm Drogeriemärkte und Professor am interfakultativen Institut für Entrepreneurship an der Universität Karlsruhe. (Einkommen für Alle, Der dm-Chef über die Machbarkeit des bedingungslosen Grundeinkommens, Kiepenheuer & Witsch, 2007)

Prof. Götz W. Werner, Adrienne Goehler
1.000 Euro für jeden
Freiheit. Gleichheit. Grundeinkommen
Econ-Verlag
272 Seiten, € 18,00

Ausführliche Buchbesprechung von Michael Mentzel, Themen der Zeit

Flyer zum Buch PDF


Adrienne Goehler fotografiert von Daniel Häni, Berlin 2009

31 Juli 2010

Freelancer oder Faulenzer

Ausschnitte aus der Diskussion zum Grundeinkommen mit Enno Schmidt, Künstler und Mitbegründer der Initiative Grundeinkommen in der Schweiz, Heike Göbel, Wirtschaftsredakteurin der FAZ und Manuel Franzmann, Sozial- und Gesellschaftswissenchaftler an der Goethe-Universität am 28. Juni 2010 im Frankfurter Holshausenschlösschen:





18 Juli 2010

Grundeinkommen und Inflation


(Titelblatt einer Ausgabe der Zeitschrift ZeitGeist)

Eine Frage über Facebook von Sven Steinert:
Wenn das BGE eingeführt würde, stiege dann nicht auch die Inflation um genau diesen Betrag?

Eine Antwort von Daniel Häni:

Nein! Das bedingungsloses Grundeinkommen würde die bestehenden Einkommen in seiner Höhe ersetzen und darin bedingungslos machen. Es wäre nicht mehr Geld. Nur wer heute weniger hat, hätte dann mehr. In der Schweiz z.b. würde das Grundeinkommen ca. 1/3 des Bruttoinlandsprodukt ausmachen (180 Milliarden bei einer Grundeinkommens-Höhe von: Erwachsene 2200.- / Kinder 1000.-). Davon wären nur ca. 5% des BIP also rund 25 Milliarden nicht ersetzend.
D.h. die Gefahr zu Inflation ist nur sehr gering. Wesentlich aber ist die Frage, ob durch die Bedingungslosigkeit des Grundeinkommens die Produktivität steigt oder sinkt, die Qualität der Arbeit besser wird oder schlechter und wie es sich mit der Sinnhaftigkeit verhält?
Mit anderen Worten: Wie steht es um die Wohlfahrt in einer Gesellschaft mit bedingungslosem Grundeinkommen bezogen auf Effizienz (Ökonomie und Ökologie) in der Produktion, Qualität im Produkt und Sinngebung als Motiv und menschliches Mass?

08 Juli 2010

30'000 unterstützen die Idee des bedingungslosen Grundeinkommen auf Facebook



30'000 Menschen unterstützen das bedingungslose Grundeinkommen auf Facebook.


Wir finden das BEMERKENSWERT!!! Im letzten halben Jahr ist die beliebte Seite um 200%!!! gewachsen. (Am 20.1. 2010 waren es 10'000).

Hier übrigens gibt es den FB-Grundeinkommens-Banner zum einbauen auf die eigene Website.

06 Juli 2010

Den Sozialstaat neu gestalten



Interview mit Götz Werner in a tempo:
Den Sozialstaat neu gestalten

Darin:

Das Grundeinkommen würde also das Ende des Sozialstaates bedeuten, so wie wir ihn kennen?
Das Bismarcksche Sozialstaatsmodell dominiert bis heute unser Denken, aber was früher sinnvoll war, muss nicht auch heute richtig sein, denn damals gab es stabile Berufsbiografien mit ent- sprechend zuverlässigen Einkommen, die Familien bestanden ein Leben lang und waren kinderreich, und die Lebenserwartung lag bei 55 Jahren. Inzwischen ist unser Sozialsystem mehr steuer- finanziert als beitragsfinanziert. Die Voraussetzungen der solidari- schen Fürsorge haben sich also entscheidend geändert, was einen Richtungswechsel des Sozialstaates erfordert. Beim bedingungs- losen Grundeinkommen stünde heute bei uns nicht Armuts- vermeidung im Mittelpunkt und auch nicht die Absicherung des Lebensstandards auf dem vertrauten Niveau, sondern einfach die Gewährleistung der finanziellen Teilhabe, um am sozialen Leben teilnehmen zu können. Das weitere müsste jeder für sich selbst entsprechend seinen Prioritäten regeln.

Meinen Sie, dass dann noch genügend Menschen arbeiten wollen?
Es liegt in der Natur des Menschen, dass er tätig sein will – das sieht man schon bei jedem kleinen Kind! Der Mensch ist – anders als ein Tier – kein Reiz-Reaktions-Wesen, sondern ein ergebnisoffenes Entwicklungswesen. Es kann über sich hinauswachsen, sich immer wieder selbst motivieren, und es will sich in eine Gemeinschaft einbringen, wie man auch am Beispiel der Mütter sieht, die sicher genügend Arbeit zu Hause mit den Kindern haben, aber auch außerhalb des Hauses ihre Fähigkeiten einbringen. Das Grundeinkommen würde neue Freiheiten für kreative, pädagogische und caritative Arbeit ermög- lichen, auch dafür, dass jemand nur die halbe Zeit in einer festen Stelle arbeitet, um sein Einkommen auf- zubessern, aber mit dem Rest der Zeit etwas tut, was ihm wichtig ist, aber nicht entlohnt wird.

Welche weiteren Schritte gibt es in Richtung bedingungsloses Grundeinkommen?
Entscheidend ist, dass inzwischen immer mehr Menschen anfangen, über die Idee des Grund- einkommens nachzudenken.Verändern und etwas bis zur Umsetzung weiterzuentwickeln ist immer ein langer Prozess – wie das Ende der Leibeigenschaft, die Einführung der Sozialgesetze und später des Frauenwahlrechtes zeigen.Viele Menschen bemühen sich heute auf ihre Art und in ihrem Bereich, die Idee des Grundeinkommens voranzutreiben. Dazu gehört auch ein Projekt der Breuninger Stiftung, welches einer Gruppe von Menschen für zwei Jahre ein bedingungsloses Grundeinkommen zahlt. Sicher ist das eine Art Laborsituation, aber dennoch denVersuch wert. Ein Pilotversuch in Namibia, in Otjivero- Omitara, hat bereits die positiven Erwartungen an das bedingungslose Grundeinkommen unter Armutsbedingungen bestätigt: Auf allen Gebieten – von der Gesundheit, der Bildung bis zur Arbeit – wurden dort Menschen aktiver und konnten die Verbesserung ihrer Situation selbst voranbringen. Wir müssen das Grundeinkommen als gesellschaftliches Gestaltungsmittel ernst nehmen und bereit sein, dafür entscheidende Schritte zu gehen – so wie es vor fast 150 Jahren auch mit den Bismarckschen Sozialgesetzen einen Einschnitt gab. Es beginnt mit dem eigenen Denken und dem genauen Blick auf die derzeitige Situation.