27 Juni 2006

Beitrag zum Grundeinkommen gewinnt einen 1. Preis beim Deutschen Studienpreis

Ein Soli für mehr Kreativität

Wie ein Grundeinkommen für Alle Wirtschaftswachstum fördert


In der öffentlichen Diskussion um den Patienten Deutschland herrscht in der Regel Einigkeit: Wollen wir die Arbeitslosigkeit beseitigen, muss unsere Volkswirtschaft mehr Wachstum generieren. Mehr Wachstum erreichen wir, indem wir produktiver werden - auch das ist Konsens. Umstritten ist hingegen, wie wir produktiver werden. Tobias Lorenz gibt eine provokante Antwort: Indem der Staat ein so genanntes bedürfnisunabhängiges Grundeinkommen für alle Bürger einführt - eines also, das unabhängig von Faktoren wie Alter, Gesundheitszustand, Arbeitshistorie und Arbeitswilligkeit ist. Eine These, die dem Prinzip der deutschen Sozialsysteme fundamental widerspricht.

Die Arbeit von Tobias Lorenz leistet dreierlei: Erstens zeigt sie, warum die neoklassische Wirtschaftstheorie mit ihrer Gleichgewichtsannahme nicht geeignet ist, dynamische Wirtschaftsprozesse darzustellen. Zweitens beinhaltet sie philosophische Überlegungen zur Natur des Menschen. Der Autor betrachtet Volkswirtschaft nämlich aus Sicht der Akteure. In einer Gesellschaft, so seine These, die nicht industriell geprägt ist, sondern eine Wissensgesellschaft ist, die von der Erforschung neuartiger Güter lebt, ist Wirtschaftswachstum vor allem durch die Förderung von Kreativität zu erreichen. »Kreativität«, schreibt Lorenz, »ist für den Einzelnen allerdings immer ein Risiko behaftetes Unterfangen. Neue Lösungen müssen getestet werden und können dabei scheitern. Dieses Risiko erschwert es dem Einzelnen seiner Kreativität nachzugehen. Es sollte daher über ein Grundeinkommen von der Sozialgemeinschaft mitgetragen werden.«

Drittens beinhaltet die Arbeit einen ersten Ansatz eines Modells für eine computersimulierte Volkswirtschaft. Tobias Lorenz unterstellt den Akteuren in seinem Modell gewisse Einkommen, die sie gerne erreichen möchten. Wie hoch ist das Arbeitsangebot bei einem Grundeinkommen in wählbarer Höhe? Verschiedene Parameter finden in dem Modell Berücksichtigung, etwa die Arbeitsmoral eines Akteurs bei einer bestimmten Steuerlast.

Tobias Lorenz leistet auf diese Weise einen originellen Beitrag zu einer in der Soziologie und neuerdings auch in den Wirtschaftwissenschaften beliebten Disziplin: den so genannten Agenten-basierten Simulationen. Diese berücksichtigen, dass die in einem System agierenden Individuen heterogen sind und komplexe Verhaltensweisen wie Lern- und Anpassungseffekte aufweisen.


Deutscher_Studienpreis_2005_Grundeinkommen.pdf

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